A Man’s Best Friend

Jede Frau, die über eigenes Geld verfügt, kann sich heute selber einen Diamanten kaufen. Natürlich. Aber einen Diamanten vom Mann, den sie liebt, als Geschenk zu erhalten, ist wohl für jede Frau ein unvergessliches Erlebnis. Und dabei geht es gar nicht um den monetären Wert des Edelsteins, sondern um den emotionalen. Denn in Diamanten steckt eine starke Symbolik: Es ist der härteste, beständigste Edelstein der Welt, Millionen Jahre alt, extrem rar – und darum so kostbar. Aus all diesen Gründen hat er sich als Symbol der Liebe etabliert, vor allem dann, wenn es etwas zu feiern gibt. Diamanten findet man als Solitär im klassischen Verlobungsring, im Ehering oder in einem ausgewählten Schmuckstück, das die Geburt eines Kindes oder ein besonderes Jubiläum eines Paares markiert.

C wie Cut, Clarity, Colour, Carat

Die preisliche Spannbreite ist bei Diamanten riesig und gerade darum empfiehlt es sich für den Schenkenden, sich vorab zu informieren. «Lässt man der Liebsten die völlig freie Wahl beim Juwelier, könnte es zu einer peinlichen oder ernüchternden Situation kommen, wenn sie sich für ein Stück begeistert, das jenseits der finanziellen Möglichkeiten liegt», weiss Tobias Lanz, Chefeinkäufer von Diamanten bei Bucherer Fine Jewellery. Er rät Männern, die einen Diamanten schenken möchten, zunächst im Fachgeschäft eine Vorauswahl zu treffen, die der Partnerin bei einem späteren gemeinsamen Besuch präsentiert wird. Diese kann dann immer noch eine andere Wahl treffen, aber gewisse Parameter sind schon mal gesetzt.

Steht das Budget einmal fest, sind bei der Wahl des passenden Stücks die sogenannten vier C massgeblich, die den Wert des Steins bestimmen: «Cut», «Clarity», «Colour» und «Carat». Den «Cut», also die Schliffqualität, bezeichnet der Experte als das wichtigste Kriterium. Die Form, ob ein Stein beispielsweise als Oval, Tropfen oder Herz geschliffen ist, ist in erster Linie eine Frage des persönlichen Geschmacks, kann sich aber auch im Preis niederschlagen. So verursacht ein rund geschliffener Diamant am meisten Materialverlust und ist damit der teuerste «Cut», denn die abgeschliffenen Teile zahlt man mit. Ein exzellent geschliffener Stein ist auch mit blossem Auge erkennbar, weil er dank der richtigen Proportionen eine stärkere Strahlkraft hat als ein minderes Stück.

«Clarity» steht für die Reinheitsgraduierung, die bei einer zehnfachen Vergrösserung festgelegt wird. «Lupenrein» ist die höchste Bezeichnung und bedeutet, dass der Diamant keinerlei Einschlüsse zeigt, was äusserst selten vorkommt. Aber auch etwas tiefere Wertungen sind immer noch sehr kostbar. Die Farbe eines Diamanten, also «Colour», wird mit Buchstaben von D bis Z angegeben, wobei D der höchsten Qualität entspricht und farblos bedeutet. Je farbloser, desto seltener und begehrter der Stein. Auch Laien vermögen von blossem Auge einen Unterschied zwischen einer D- und einer G-Farbe zu erkennen. Ab der Wertung K weist der Stein einen deutlich sichtbaren gelblichen Stich auf, der allerdings nicht zu verwechseln ist mit einem sogenannten Fancy Diamond, einem farbigen Diamanten. Hier hilft der Fachmann weiter, der zu unterscheiden weiss. Farbige Diamanten gibt es nicht nur in den Nuancen Gelb, sondern auch in Pink, Blau, Grün, Violett und sehr selten sogar in Rot. Sie sind ausgesprochen rar, denn nur einer von 100'000 Diamanten trägt diese Bezeichnung. Und das hat seinen Preis. «Carat» schliesslich bezeichnet das Gewicht des Edelsteins und wird auf zwei Stellen nach dem Komma angegeben: 1.00 Karat entspricht 0.2 Gramm Gewicht. Diamanten sind Leichtgewichte mit grosser Wirkung!

Fancy Diamonds: Farbige Diamanten wie diese gelben Exemplare sind eine Laune der Natur und extrem rar.
Fancy Diamonds: Farbige Diamanten wie diese gelben Exemplare sind eine Laune der Natur und extrem rar.

Edles Understatement

An diesen vier Qualitätsmerkmalen kann man schrauben, wenn das Budget feststeht. Die Vorlieben variieren nicht nur von Person zu Person, sondern auch nach Ländern, weiss Tobias Lanz: «In den USA zum Beispiel ist die Grösse des Steines wichtiger als seine Reinheit. Mehr Show für weniger Geld lautet das Motto. In der Schweiz hingegen setzt man auf Understatement. Der Diamant darf kleiner, sollte dafür aber von besserer Qualität sein.»

Manche Qualitätsunterschiede kann der Laie nicht mit blossem Auge erkennen. Er muss Fachleuten vertrauen. Deshalb empfiehlt es sich, Diamanten bei einer renommierten Adresse zu erstehen und nicht beispielsweise im Internet, wo neben glaubwürdigen Firmen auch viele Betrüger um Kunden buhlen. «Alle Steine, die kein seriöser Juwelier nehmen würde, tummeln sich im Internet auf der Suche nach einem ahnungslosen Käufer», gibt Tobias Lanz zu bedenken.

Das Vorkommen von Diamanten ist begrenzt. Sie sind keine nachwachsende Ressource, denn die geothermischen Bedingungen, die ihre Entstehung begünstigen, haben sich verändert. Heute gibt es weltweit etwa 60 noch nicht ausgeschöpfte Fundstellen; zum Teil auch, weil sich der Aufwand nicht lohnt. Manche schon bestehenden Minen werden aus dem gleichen Grund stillgelegt. Diese Faktoren bewirken, dass Diamanten exklusiv bleiben und ihren Wert nicht verlieren. Gut zu wissen – auch wenn die meisten Männer, die einen Diamanten kaufen, diesen nicht unbedingt als Wertanlage betrachten, sondern eher als Investition in die Liebe. Was ja auch eine schönere Vorstellung ist.

Fragen zur Herkunft

Weniger schön sind die Arbeitsbedingungen, unter denen gewisse Edelsteine gewonnen werden und ihre Herkunft. Sogenannte Blutdiamanten stammen aus Ländern wie dem Kongo oder Sierra Leone, in denen Bürgerkriege mit dem Diamantenhandel finanziert wurden. Um dies zu vermeiden, wurde der Kimberley-Prozess eingeführt. Es handelt sich dabei um eine Regelung zur Kontrolle des Rohdiamant-Handels. Kunden tun gut daran, vor dem Kauf den Juwelier danach zu fragen, ob seine Diamanten den Kimberley-Prozess einhalten, der bei Traditionsfirmen wie Bucherer Fine Jewellery zum Standard gehört.

Seit einigen Jahren sind künstliche Diamanten als sozial- und umweltverträglichere Option im Gespräch. Doch der Schein trügt! Bei einem künstlichen Diamanten zahlt man in erster Linie die Stromkosten, die bei der Herstellung anfallen. Und es wird viel Energie verbraucht, um auf künstliche Art den Druck und vor allem die Hitze nachzubilden, den ein Stein in der Tiefe der Erde erfahren hat. Selten handelt es sich dabei um erneuerbare Energien und nur, weil kaum Menschen an der Herstellung beteiligt sind, sind künstliche Steine nicht per se sozialverträglicher. «In Ländern wie beispielsweise Botswana leben zwei Drittel der Bevölkerung vom Diamanten-Abbau. Mit dem Kauf von künstlichen Steinen entzieht man ihnen ihre Lebensgrundlage», erklärt Tobias Lanz.

Laien werden künstliche Diamanten nicht von einem echten unterscheiden können, und manche Fachleute vielleicht auch nicht. Aber bei Diamanten geht es nicht nur um das, was man sieht, sondern auch, was man weiss und vor allem, was man empfindet, wenn man einen dieser funkelnden Meisterwerke der Natur in den Händen hält. Ein einzigartiges Wunder – so wie die Liebe, die die meisten Käufer beflügelt.

Dieser Artikel erschien im Mai 2022 in der Ausgabe MEN 1/22.

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