Vier Augenblicke

Gute Wa(h)l

Rafael Fernández Caballero ist Taucher und Fotograf. Ihm gelang dieses spektakuläre Foto von einem Brydewal, der sich in der Baja California an einem Sardinenschwarm stärken will. Das Foto schoss der Spanier per Zufall, als er auf seinen vielen Missionen rund um den Globus unterwegs war, um die Schönheit der Ozeane im Bild festzuhalten. Brydewale sind besonders, weil sie in warmen Gewässern leben, nicht viel umherziehen und – weil sie nicht in den klassischen Walfanggebieten auftauchen – nicht bedroht sind. Sie haben sich die gemütlichen Gewässer ausgesucht, eine schlaue Überlebenstaktik. Fast schon menschlich. Dahin gehen, wo es warm ist, genug Futter vor der Nase schwimmt und einen keiner stört. Ausser ab und zu mal so ein Unterwasserfotograf. Caballero (@rafafdezjr), der auch Botschafter des Uhrenbrands Alpina ist, erhielt für das Foto die Auszeichnung «Ocean Photographer of the Year 2024», ausgeschrieben vom Oceanographic Magazine, London. Dieses und die anderen Fotos aus der Competition sind ab dem 28. November 2024 im Nationalen Maritimen Museum in Sydney zu sehen.

Ein Brydewal stürzt sich vor der Baja California auf einen Sardinenschwarm – das Siegerbild des «Ocean Photographer of the Year 2024». Foto: Rafael Fernández Caballero
Ein Brydewal stürzt sich vor der Baja California auf einen Sardinenschwarm – das Siegerbild des «Ocean Photographer of the Year 2024». Foto: Rafael Fernández Caballero

Ohne Worte

Die Riesenshow der Olympischen Sommerspiele dieses Jahr in Paris hat neue Massstäbe gesetzt. Und wie immer folgten netterweise die Paralympics. Auch hier gab es neue Rekorde, eine immense Welle der Begeisterung, mehr Zuschauer, unfassbare Leistungen. Inklusion ist das allerdings nicht. Die Rad-WM 2024 in Zürich wurde erstmals mit den Parasportlern gemeinsam ausgetragen. Und es gibt Sportwettbewerbe, bei denen Inklusion wirklich funktioniert, wie bei den meisten Marathonveranstaltungen zum Beispiel. Auch die Commonwealth Games finden seit 2002 auf hohem Niveau inklusiv statt. Wäre es nicht an der Zeit, die Trennung aufzuheben, überall? Die Vibes einer «normalen» Olympiade nutzen und den Parasportlern dieselbe Bühne bieten? Logistisch eine Herausforderung, das mag sein. Aber nichts ist unmöglich, es braucht nur etwas mehr Zeit und Willen. Und vielleicht wird dann das Wort «Inklusion» endlich obsolet.

V. l. n. r.: Martina Caironi (Italien), Vanessa Löw (Australien) und Elena Kratter (Schweiz) nach dem Weitsprung-Final der Frauen, Kategorie T63, Paris, Stade de France, 5. September 2024.
V. l. n. r.: Martina Caironi (Italien), Vanessa Löw (Australien) und Elena Kratter (Schweiz) nach dem Weitsprung-Final der Frauen, Kategorie T63, Paris, Stade de France, 5. September 2024.

Auf Kollisionskurs

Inzwischen sind es 17 000 Menschen aus mehr als 110 Nationen, die im CERN friedlich an einem Ziel arbeiten: Teilchenbeschleuniger bauen für eine Vielzahl von Einsatzgebieten. Der grösste ist das Herz des CERN, heisst ATLAS und ist ein Large Hadron Collider (LHC), zu Deutsch: grosser Hadronen-Speicherring. Der Mensch, der auf diesem Foto im Zentrum des Endes des Teilchenbeschleunigers steht, im CMS-Detektor (Compact Muon Solenoid), verdeutlicht die Dimension. 60 Millionen Mal pro Sekunde werden Protonen und Atome aufeinander losgeschickt, in einem Ring von 27 Kilometern Umfang ausserhalb von Genf; eine Hälfte des unterirdischen Baus verläuft unter Frankreich. Hehres Ziel: fehlende Elementarteilchen zu entdecken, die den Urknall erklären könnten. Vor genau 70 Jahren wurde das Projekt CERN (steht für Conseil européen pour la recherche nucléaire, Europäische Organisation für Nuklearforschung) beschlossen, 2008 ATLAS installiert. Bisher hat man ein Teilchen gefunden, das Higgs-Teilchen. Aber das ist nur ein Experiment: 1990 wurde im CERN das World Wide Web entwickelt, man baut Teilchenbeschleuniger, die in der Krebstherapie eingesetzt werden, und immer mehr stellen die Wissenschaftler am CERN open source zur Verfügung. Ein Besuch vor Ort ist dringend empfohlen.

Ein Mensch im CMS-Detektor verdeutlicht die Dimension des CERN-Teilchenbeschleunigers bei Genf.
Ein Mensch im CMS-Detektor verdeutlicht die Dimension des CERN-Teilchenbeschleunigers bei Genf.

Cara Signora Loren

Grazie mille. Dafür, dass Sie dem Wort «Diva» eine unumstössliche, wertschätzende Bedeutung gegeben haben, ein Gesicht und einen Körper. Dass Sie bis heute für ein Frauenbild stehen, das immer und zu jeder Zeit authentisch ist, sich nicht verbiegt, sich so liebt, wie man ist, und mit Stolz, Stil und Würde zur eigenen Persönlichkeit steht. Danke für Frauenbilder, die wir anhimmeln, lieben, bewundern und vergöttern dürfen, immer stark, immer schön, egal ob unerreichbare Traumfrau oder alternde, ehemalige Prostituierte. Wir verneigen uns vor Ihnen als Frau, als Mutter und Grossmutter, als Weltstar, als Botschafterin für die Ärmsten, als Charakterschauspielerin und als Stilikone. Und wir sind natürlich auch ein ganz kleines bisschen stolz, dass Sie – Ehrenbürgerin von Neapel, aber auch von Pozzuoli, Sorrent und Florenz – die Schweiz als Lebensmittelpunkt auserkoren haben (im Foto: auf Muottas Muragl bei Pontresina am 25. Januar 2002). Auguri per il suo 90° compleanno!

Sophia Loren auf Muottas Muragl bei Pontresina, 25. Januar 2002. Foto: Michel Comte
Sophia Loren auf Muottas Muragl bei Pontresina, 25. Januar 2002. Foto: Michel Comte

Dieser Artikel erschien im November 2024 in der Ausgabe MEN 2/24.

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