Kreativ ohne Grenzen

Tina Turner und George Harrison, Prinz Charles und die Königin von Bahrain, David Chipperfield und Zaha Hadid – Enzo Eneas grüne Kreationen sind weltweit begehrt. Mit seinen rund 200 Mitarbeitenden gestaltet er nebst Privatgärten auch Anlagen von Restaurants, Hotels und Golfplätzen im In- und Ausland. Das erste US-Büro – die Enea Garden Design Inc. – eröffnete 2005 in Miami; zehn Jahre später kam New York dazu. Trotz dieser Internationalität bleibt das Unternehmen tief in der Schweiz verwurzelt: Am Hauptsitz in Rapperswil-Jona liegt der 75 000 Quadratmeter grosse, öffentliche Park mit Arboretum und Baummuseum, das eine grosse Auswahl seltener Baumarten beherbergt. Die Anlage steht für Eneas Vision von Architektur, Landschaft und Kunst – und ist ein Herzensprojekt des Bäumesammlers.

MEN: Herr Enea, wie haben Sie Ihre Liebe zur Natur entdeckt?

Enzo Enea: Prägend waren die Erlebnisse im Garten meines Grossvaters. Gemeinsam pflegten wir die Bäume, kultivierten den Garten und ernteten Früchte und Gemüse. Dabei lernte ich viel über Gartenbau, Geduld und Arbeitsmoral. Mein prägendstes Erlebnis war der Biss in einen Pfirsich – eine grosse, gelbe, Fruchtfleisch gewordene Sonne. Wenn man von der Natur lernt und sie kultiviert, gibt sie einem alles zurück. Ja, die Arbeit war hart, aber das gute Gefühl danach umso grösser.

Wie kam es dazu, dass Sie im Ausland tätig wurden? Was reizt Sie daran?

Schon meinen allerersten Auftrag meisterte ich im Ausland – auf Maui, Hawaii, wo ich die Aussenanlage eines Sheraton-Hotels entwerfen und ausführen durfte. Ein weiterer Meilenstein war der Newcomer-Preis an der weltbekannten Chelsea Flower Show 1998. Solche Momente trugen den Namen Enea über die Grenzen hinaus. Wer leidenschaftlich Gärten gestaltet, sieht keine Grenzen – er sieht Natur. Die Herausforderung liegt in den unterschiedlichen Klimazonen und den Eigenheiten der Projekte. Reizvoll ist, durch die vielen Kontakte in verschiedenen Kulturen immer wieder Neues zu lernen.

Worin unterscheidet sich die internationale Tätigkeit von Ihrer Arbeit in der Schweiz?

Herzensprojekt: das öffentliche Baummuseum am Enea-Hauptsitz in Rapperswil-Jona.
Herzensprojekt: das öffentliche Baummuseum am Enea-Hauptsitz in Rapperswil-Jona.

Als Unternehmer ist die Schweiz für mich ein Traum. Termine, Eingaben, Lieferanten, Mitarbeitende – hier arbeiten fast alle präzise, pünktlich und zuverlässig.

«Einen alten Baum verpflanzt man nicht», heisst es. Sie tun es trotzdem. Warum?

Ganz einfach: weil wir es können. Über die Jahrzehnte im Gartenbau haben wir eine eigene Wurzelschneidetechnik entwickelt, die es erlaubt, auch grosse, alte Bäume mit einem kleinen Wurzelballen zu transportieren. Vielen ist zudem nicht bewusst, dass Bäume in Baumschulen genau dafür gezogen werden: Sie werden mehrmals neu gesetzt und gewöhnen sich so an die Verpflanzung. Auch wir verschulen Bäume in unserer Baumschule in Rapperswil-Jona.

Woran erkennt man einen typischen Enea-Garten?

Ich habe schon eine eigene Handschrift, so wie auch ein Koch oder Künstler wiedererkennbar bleibt, selbst wenn er ein neues Werk schafft. Ein typisches Gartenbild gibt es aber, glaube ich, nicht. Vielleicht erkennt man meinen Respekt vor Bäumen, die ich gerne inszeniere. Und ich hoffe, in jedem meiner Gärten erlebt man dieses Gefühl, wenn alles stimmt: Proportionen, Lichtverhältnisse, Distanzen, das Spiel mit den Jahreszeiten. Wie bei einem richtig guten Anzug – man merkt gar nicht, wie viel Arbeit dahintersteckt. Das macht ihn so gut.

Welche Projekte sind derzeit in Planung?

Grüne Kreationen weltweit: ein von Enea gestalteter Privatgarten in Griechenland.
Grüne Kreationen weltweit: ein von Enea gestalteter Privatgarten in Griechenland.

Aktuell arbeiten wir an zwei Projekten für die Peninsula Group, eines in Istanbul, eines in London. In Miami gestalten wir die Terrassen der Luxusresidenz St. Regis, in Norwegen den Aussenbereich eines Sechs-Sterne-Spas jenseits des Polarkreises. Dazu kommen diverse Privatgärten.

Was wäre für Sie ein Traumauftrag?

Ein Projekt, von dem möglichst viele Menschen profitieren: Städte begrünen. Es gäbe so viel Potenzial, und es wird so wenig gemacht! Alleen, Dächer, Fassaden, Plätze – alles lässt sich begrünen. Wir ahnen gar nicht, wie sehr uns die Natur fehlt.

Visionärer Gestalter: Nach einer Ausbildung zum Industriedesigner studierte Enzo Enea (57) Landschaftsarchitektur in London und übernahm 1993 die Firma seines Vaters, bevor er drei Jahre später die Enea GmbH gründete. Heute ist er weltweit tätig und hat mit seinem Team über 1000 Projekte realisiert. Zum gestalterischen Konzept gehört besonders das harmonische Verschmelzen von Aussen und Innen – das Verbinden des Inneren eines Hauses mit seiner Aussenanlage.

Dieser Artikel erschien im Mai 2022 in der Ausgabe MEN 1/22.

Zurück