
Neue Zeiten bringen neue Ikonen hervor – die alten soll man deswegen nicht in der Schublade verschwinden lassen. Denn Ikonen entstehen selten aus dem Nichts, sondern tragen oft ein historisches Erbe in sich. In der Industrie sind es jene Produkte, die eine Marke berühmt gemacht haben und sie am nachhaltigsten verkörpern – in der Autobranche ganz besonders. Vor gut vierzig Jahren schuf Audi mit dem Quattro eine solche Ikone, die die Marke bis heute begleitet. Brand Director Dieter Jermann führt Audi durch den Wandel zur Elektromobilität, in dem der e-tron GT die Linie des Quattro fortschreibt – als Symbol für die Werte der Marke. Und zwar schon jetzt: «Die Zukunft kommt nicht eines Tages, sie ist längst da.»
MEN: Vor gut 40 Jahren war der Ur-Quattro eine kleine Revolution bei Audi. Heute heisst das wegweisende Modell e-tron GT. Wird auch er einst zum teuren Sammlerstück wie sein Vorfahre?
Dieter Jermann: Wie damals mit dem Quattro sind wir auch jetzt wieder Pionier. Der e-tron GT eröffnet eine neue Ära. Audi und quattro sind untrennbar – vom Ur-quattro von 1980 bis zum elektrischen Allradantrieb der heutigen e-tron-Reihe mit Torque Vectoring. Mit dem elektrischen quattro setzt Audi im Zeitalter der Elektromobilität neue Massstäbe. Emotionales Design, dynamische Leistung und ein nachhaltiges Konzept machen den e-tron GT schon heute zur Marken-Ikone.
Der Wagen hat bereits eine beachtliche Fangemeinde. Als wir vor einigen Monaten zu den Ersten gehörten, die den e-tron GT fuhren, grüssten uns andere e-tron-Fahrer im Vorbeifahren …
Der e-tron GT zieht tatsächlich die Blicke auf sich und beweist, dass Elektromobilität attraktiv sein kann. Nicht ohne Grund wurde er bei der Wahl zum «Goldenen Lenkrad» 2021 der «Auto-Bild» zum schönsten Auto des Jahres gekürt. Er gilt als Vorbote der Zukunft von Audi, die ab 2026 weltweit ausschliesslich elektrisch sein wird. Ich bin stolz, diesen von Innovation und Wandel geprägten Aufbruch mitzuerleben.
Der Mechanik-Liebhaber träumt aber vielleicht eher davon, am Wochenende an einem V8 zu schrauben. Mit dem Elektroauto scheint diese «männliche» Ära vorbei …
Stereotype rund um ein bestimmtes Männlichkeitsbild wird es immer geben. Doch solche Zerrbilder sind oft von früh erlernten Rollen geprägt; dieses soziale Konstrukt verändert sich mit der Zeit und unterscheidet sich stark von Kultur zu Kultur. Kraftvolle Fahrzeuge wie der Audi R8 oder der vollelektrische RS e-tron GT begeistern Männer wie Frauen gleichermassen. Männer schreiben sich gern eine Affinität zur Technik zu – die können sie auch im Elektroauto bestens ausleben.
Das Auto war früher das Symbol grenzenloser Freiheit. Heute kratzen Reichweite – selten mehr als 300 km – und Ladezeit an diesem Bild. Lässt das noch träumen?
Reichweite ist sicher ein wichtiges Thema, doch die DC-Ladeleistung ist im Alltag das relevantere Kriterium. Die 800-Volt-Batterie des Audi e-tron GT holt mit 270 kW in rund zehn Minuten Strom für 200 Kilometer zurück; 22 Minuten genügen, um von 5 auf 80 Prozent zu laden. Die RS e-tron GT schafft im Schnitt bis zu 472 Kilometer – ein vergleichbares Benzinfahrzeug kommt vor dem Tanken kaum weiter. Und das Ladenetz wird laufend ausgebaut.
«Future is an Attitude» lautet der Slogan des e-tron GT. Wie sehen Sie selbst die Zukunft?
Die Zukunft ist elektrisch, und Audi geht den Weg zu einer klimaneutralen Mobilität. Der Wechsel zur E-Mobilität beschleunigt sich: Bis 2025 bringen wir über 20 entsprechende Modelle. Doch damit nicht genug – unser Weg zur Nachhaltigkeit ist umfassend, mit zahlreichen Massnahmen in Lieferkette, Produktion und Logistik. Weitere werden folgen.
Wie definieren Sie Luxus heute?
Ich geniesse Zeit mit Familie und Freunden, und es ist ein Privileg, in einem innovativen Umfeld zu arbeiten. Meine knappe Freizeit plane ich sorgfältig und richte sie so weit wie möglich nach meinen Interessen aus. Zeit ist für mich der grösste Luxus!
Dieser Artikel erschien im Mai 2022 in der Ausgabe MEN 1/22.


