Das Piano, das sich selbst spielt

Vor rund zwei Jahren hat Steinway & Sons das digitale Selbstspielsystem Spirio auf den Markt gebracht. Auf dem Flügel können Sie natürlich selber spielen – sofern Sie es beherrschen – oder sich zurücklehnen und zuhören. Dank einer ständig erweiterten Konzertbibliothek spielt Ihnen der Spirio Konzerte von Weltklasse vor: Die Tasten bewegen sich sichtbar und exakt so, wie der Konzertpianist oder die Konzertpianistin sie anschlägt. Und natürlich können Sie auch Ihr eigenes Spiel aufnehmen.

Digitale Passion

Steinway & Sons hat weitergetüftelt – schlicht, weil die heutige Technik wunderbare Dinge erlaubt. So entstand der Spiriocast. Jetzt kann Ihr Flügel ein Konzert in Echtzeit übertragen (mit ein, zwei Millisekunden Verzögerung). Sie sehen etwa den chinesischen Meisterpianisten Lang Lang live in Paris spielen – auf dem iPad oder dem TV –, und Ihr Flügel bringt den Klang in Ihren privaten Konzertsalon; die Tasten bewegen sich genau so, wie der Star am Klavier sie anschlägt. Ein Live-Erlebnis ersetzt das nicht, aber es eröffnet ganz neue Dimensionen, um Musik zu verbreiten und zugänglich zu machen. Die nächste Stufe wäre der Pianist als Hologramm am Flügel – nein, das ist nur eine etwas weit hergeholte Vermutung.

Zwölf Monate Handarbeit

Der Preis eines Steinway & Sons mit Spiriocast liegt knapp unter – oder vielleicht auch knapp über – 200 000 Franken, je nach Wunsch und Ausführung. Doch Sie müssen Zeit mitbringen, wie der Cabrio-Fahrer in den Bergen oder Lang Lang in Paris: Ein Steinway wird von Hand gefertigt und braucht zwölf Monate, bis er fertig ist; ein Techniker hält ihn in Stimmung. Seit der Gründung 1853 durch Heinrich Steinweg, der in die USA auswanderte und seinen Namen amerikanisierte, hat jeder Flügel eine fortlaufende Seriennummer – kein Instrument verlässt die Werkstatt ohne sie.

Dieser Artikel erschien im November 2022 in der Ausgabe MEN 2/22.

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