Goldmund Reference II

Goldmund Reference II – schon nur der Name lässt den Puls von Hi-Fi-Freaks schneller schlagen. Und wenn dann Begriffe wie «mecasylgeschmierte, spielfreie, ultrapräzise Kugellager», «hyperbolische Spurkorrektur», «progressiver analoger optischer Detektor» und «kalibrierte mikrometrische Azimut-Einstellung» fallen, treibt das ihnen Tränen der Verzückung in die Augen. Dabei ist der Goldmund Reference II eigentlich nur ein Plattenspieler.

Aber was für einer. Gebaut in Genf, von der legendären Firma Goldmund, die 1978 gegründet wurde und schon 1982 mit dem ersten Modell Goldmund Reference die Musikwelt erschütterte. Design und Technik waren von einem anderen Universum, es war der beste Plattenspieler, den die Welt je gesehen hatte. 300 Stück gab es davon; Occasionsgeräte kann man heute für schlappe 35 000 Euro kaufen.

Abschiedsgeschenk

Ab 1990 hörte Goldmund mit der Produktion analoger Plattenspieler auf und konzentrierte sich auf die digitale Welt. Doch ein Abschiedsgeschenk an die gute alte Zeit musste sein: Der Goldmund Reference II erschien 2007 in einer limitierten Auflage von 25 Stück. Mehr Hightech geht nicht. Insgesamt 250 Kilogramm schwer, allein der fünfschichtige Plattenteller aus Metacrylat und Messing wiegt 20 Kilogramm. Der Antriebsriemen wird mit flüssigem Stickstoff vor Erwärmung und Erschlaffung geschützt, der Elektromotor ist mit 15 Kilogramm Messing abgeschirmt, der Tonarm T8 wiegt sieben Kilogramm und hat weder Spiel noch Vibration. Ein Wunderwerk der Technik und absoluter Präzision, das man sich für 300 000 Dollar ins Wohnzimmer stellen konnte.

Asien im Visier

Wer die 25 Käufer waren, ist bis heute ein Geheimnis. Michel Reverchon, Gründer und Präsident von Goldmund, erklärt nur: «Premierminister, Industriekapitäne, Forscher, Firmenchefs, Ärzte – jeder, der etwas liebt, das ein Einzelstück ist.» Und fügt hinzu: «Wir konzentrieren uns vor allem auf den asiatischen Markt. Wir sind an Europa und den USA nicht sehr interessiert.»

Kunden mit dem entsprechenden Kleingeld muss Goldmund nicht suchen. Reverchon: «Sie finden uns. Unsere Qualität spricht sich herum. Wir entwickeln und produzieren Komponenten nur, wenn sie die besten der Welt sind. Wenn man das Richtige richtig macht, dann verliert Marketing an Bedeutung.»

Dieser Artikel erschien im November 2023 in der Ausgabe MEN 2/23.

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