Die Kunst des Handwerks

Mit ruhiger Hand schneidet Kunio Kobayashi winzige Äste einer kleinen Kiefer zurecht. 1000 Jahre alt ist der Baum, der in Kobayashis berühmtem Bonsai-Garten in Tokio steht. Dem 76-Jährigen schauen ehrfürchtig zwei Besucher aus der Schweiz zu und hören die weisen Worte des Meisters.

Die Gäste sind Eric Blum und Luca Meyer, und sie haben sich auf eine Reise gemacht, die ihr Leben verändern wird. Neben Kunio Kobayashi besuchen sie auch einen Schwertmeister und einen Kalligrafie-Künstler. Alles Meister ihres Fachs und in Japan hoch angesehen. Auch Eric Blum und Luca Meyer sind Meister ihres Fachs. Doch das mit der Anerkennung ist in der Schweiz eine andere Sache.

Wir treffen die beiden ein paar Monate nach ihrer Japan-Reise in ihrem Atelier in Zürich. Hinter dem eleganten Showroom, der auch in Tokio stehen könnte, sitzen die beiden Handwerker in der Manufaktur an einem grossen Tisch, umringt von Werkzeugen aller Art und kleinen merkwürdigen Maschinen. Dieser Raum ist ein Traum für Handwerker.

MEN: Eric und Luca, was hat euch auf eurer Reise nach Japan am meisten beeindruckt?

Eric Blum: Ganz sicher Kunio Kobayashi. Er strahlt diese unglaubliche Ruhe und Erfahrung aus. Er arbeitet an Bäumen, die über 1000 Jahre alt sind, und denkt in Dekaden. Wenn er einen Schnitt macht, kann das erst in 50 Jahren eine Auswirkung auf die Form des Baumes haben. Und sein Garten ist unfassbar schön.

MEN: Und was habt ihr von ihm gelernt?

Luca Meyer: Die Sache mit dem Goldenen Schnitt. Ich habe ihn nach der Reise sogar auf meine Hand tätowieren lassen. Man kann ihn mathematisch berechnen, aber von Hand zu bestimmen, ist nicht so einfach. Das ist grosse Kunst. Wie Kunio Kobayashi das auch noch an einem lebendigen Objekt wie einem Baum und in 3D schafft, ist unglaublich.

MEN: Hat euch die Reise verändert?

Eric Blum: Wir haben wieder einmal erfahren, wie wichtig die Leidenschaft für einen Handwerker ist. Das Finanzielle darf keine Rolle spielen. Man muss tun, wozu man bestimmt ist. Die meisten scheitern daran, weil sie keine Konstanz haben.

Bonsai-Meister Kunio Kobayashi, 76, in seinem berühmten Garten in Tokio – Eric Blum und Luca Meyer schauen ihm zu. Foto: Bon Parinya Wongwannawat / Vesa Eskola
Bonsai-Meister Kunio Kobayashi, 76, in seinem berühmten Garten in Tokio – Eric Blum und Luca Meyer schauen ihm zu. Foto: Bon Parinya Wongwannawat / Vesa Eskola

Luca Meyer: In der Schweiz Kunsthandwerker zu sein, machst du definitiv nicht wegen des Geldes. Die Schweizer sind nicht bekannt für Anerkennung von echtem Handwerk. Das ist in Japan ganz anders. In deren Gesellschaft ist das etwas vom Höchsten, was es gibt. Bei uns definiert sich der Wert über das Geld, das man verdient. Ist es viel, machst du einen guten Job. Aber diese Gleichung geht im Handwerk, in der Kunst oder im Sport nur sehr selten auf.

MEN: Aber die Schweiz war doch mal ein Handwerkerland.

Luca Meyer: Bei uns ist das Verständnis dafür abhandengekommen. Die Menschen sind sich nicht mehr bewusst, was es heisst, mit den Händen zu arbeiten. Und das bedeutet nicht, einen Computer zu bedienen. Viele staunen über den Preis unserer Produkte. Dann sage ich immer: Bei uns kaufst du keine Marke, du kaufst echte Handwerkskunst. Du bezahlst für das, was wir können.

Eric Blum: Wir sind ein Dienstleistungsland geworden, Banken und Versicherungen haben das Handwerk abgelöst. Das ist so weit auch gut, dadurch leben wir im Wohlstand. Aber die Anerkennung für Kunsthandwerk hat darunter gelitten.

MEN: Aber Produkte aus Manufakturen haben doch an Bedeutung gewonnen, sie verkaufen sich immer besser. Ist das ein echtes Revival oder nur eine Nische, die wieder wächst?

Eric Blum: Es ist beides. Ich habe die Hoffnung, dass wir an einem Wendepunkt sind. Die Menschen wollen zurückgehen und wieder eine Seele in einem Produkt finden – und nicht nur sterile Massenware konsumieren. Abgesehen davon, dass es auch einen ökologischen Grund dafür gibt. Nachhaltigkeit ist vermehrt ein Thema, vor allem bei den Jungen.

MEN: Wie seid ihr auf das Kunsthandwerk gekommen?

Luca Meyer: Ich bin gelernter Möbelschreiner und konnte zu Beginn alles von A bis Z machen. Dann habe ich die Lust verloren, als ich gesehen habe, wohin die Entwicklung geht. Heute sind die Arbeitsschritte aufgeteilt, alle machen immer nur das Gleiche. Also siehst du das Möbel immer nur in einer einzelnen Sequenz des Entstehens. Da wollte ich nicht mitmachen und habe mich nach etwas anderem umgeschaut. Und was habe ich gemacht? Zuerst mal einen Gurt. (Lacht.) So habe ich das wunderbare Material Leder entdeckt. Dazu kam die Welt der Werkzeuge, und ich war fasziniert. Eric ist mein Schwager und hat schon während seiner Eishockey-Karriere an Hüten herumgebastelt. Und so haben wir uns getroffen und gesagt: Lass uns eine gute Sache machen. So begann unser Abenteuer.

MEN: Braucht man dazu Mut?

Stil und Handwerk: Eric Blum und Luca Meyer mit dem neuen Mazda CX-60. Foto: Mazda
Stil und Handwerk: Eric Blum und Luca Meyer mit dem neuen Mazda CX-60. Foto: Mazda

Luca Meyer: Ja. Und eine gesunde Portion Naivität. Man muss ein Träumer sein.

Eric Blum: Viele unserer Freunde haben studiert, und alle haben uns abgeraten. Bis heute ist das so. Sie sagen: Das muss man berechnen, wo ist die Marktanalyse und der Businessplan? Aber im Handwerk oder in der Kunst funktionieren die gängigen Theorien nicht.

MEN: Und doch gibt es euch noch. Also funktioniert es, auch wenn es gegen die Regeln ist.

Eric Blum: Regeln sind nicht da, um sie zu befolgen. (Lacht.) Aber klar haben auch wir eine Buchhaltung, sind im System drin. Aber viele unserer Entscheidungen kommen aus dem Bauch heraus. Und so viel falsch haben wir bis jetzt auf unserem Weg nicht gemacht.

Luca Meyer: Es funktioniert, weil wir diese unbedingte Leidenschaft haben. Die Menschen spüren das. Und das kann man nicht in einer Excel-Liste mit einer Zahl bewerten.

MEN: Aber nur Reiche können sich eure Produkte leisten.

Eric Blum: Das stimmt nicht. Die kommen auch aus dem Mittelstand, es sind nicht nur die Schönen und Reichen. Es gibt Leute, die kommen vorbei und sagen: Ich komme in einem halben Jahr wieder und lege bis dann jeden Monat etwas auf die Seite. Das ist dann megaschön, da spüren wir die Wertschätzung gegenüber unseren Produkten.

MEN: Aber es gibt sicher viele, die sich so etwas nicht leisten können.

Eric Blum: Es gibt diesen schönen Satz: Ich bin zu arm, um billig einzukaufen. Man muss auch den Zeithorizont anschauen, den man heute nicht mehr wahrnimmt. Wenn man den sogenannten Cost per Use (Kosten pro Nutzung) nimmt, dann schneiden unsere Produkte sehr gut ab. Wenn du ein Produkt über Generationen weitergeben kannst, dann relativieren sich die Kosten natürlich. Dann sind wir sogar die Günstigeren. Dieses Bewusstsein haben aber leider nicht alle.

Mazdas neues Flaggschiff: der CX-60 mit Plug-in-Hybrid und 327 PS. Foto: Mazda
Mazdas neues Flaggschiff: der CX-60 mit Plug-in-Hybrid und 327 PS. Foto: Mazda

MEN: Ihr seid Botschafter von Mazda. Wieso eigentlich?

Eric Blum: Ich war früher gar nicht so autoaffin. Und als die Anfrage von Mazda kam, habe ich zuerst meine Mutter gefragt, die Japanerin ist. Und sie hat bestätigt, dass Mazda in Japan vor allem für gutes Handwerk berühmt ist. Andere Hersteller sind für die Massenproduktion bekannt, Mazda zelebriert das Handwerk. Das passt perfekt zu Onkai Heiwa.

Luca Meyer: Das sieht man vor allem in der Designphase. Das beginnt damit, dass die Designer wie früher von Hand Tonmodelle fertigen. Mich fasziniert die Hingabe und die Liebe zum Detail dieser Leute bei dieser Arbeit – das ist in der Automobilindustrie selten geworden. Man sieht das auch am fertigen Auto. Im Mazda CX-60 hat es zum Beispiel eine offene Naht im Armaturenbrett. Das ist ein rein ästhetisches Detail, das viel Aufwand braucht. Aber Mazda legt Wert auf solche Details und will, dass sie perfekt umgesetzt sind. Mit ihrer Einstellung zum Handwerk haben sie uns vollkommen überzeugt. Wir sind glücklich, mit ihnen zusammenzuarbeiten. > www.onkaiheiwa.com

Onkai Heiwa

Eric Blum und Luca Meyer sind die Gründer der Zürcher Manufaktur Onkai Heiwa, die sich auf die Herstellung von hochwertigen Hüten und Lederwaren in Handarbeit spezialisiert hat. Eric Blum wurde bekannt als Schweizer Profi-Eishockeyspieler; er spielt als Verteidiger und stand zuletzt als Assistenzkapitän für den SC Bern in der National League (NL) auf dem Eis. Luca Meyer ist gelernter Möbelschreiner und der Schwager von Eric Blum.

Mazda CX-60: Das neue Flaggschiff

Der CX-60 markiert für Mazda einen Wendepunkt: Er ist der erste Mazda in Europa mit Plug-in-Hybridantrieb und mit 241 kW/327 PS das leistungsstärkste Strassenfahrzeug, das Mazda je gebaut hat. Der Hybridantrieb kombiniert Verbrennungs- und Elektroenergie und wird von einer 17,8-kWh-Batterie unterstützt, die eine rein elektrische Reichweite von 63 km ermöglicht. Mazda führt ausserdem einen effizienten 3,3-Liter-Reihensechszylinder-Dieselmotor ein, der mit einem innovativen Brennverfahren überzeugt und in zwei Leistungsstufen mit bis zu 550 Nm Drehmoment verfügbar ist. Das neue Flaggschiff bietet neben viel Fahrspass auch Komfort und Sicherheit durch Allradantrieb und eine hochwertige Innenausstattung. Mit fünf Fahrmodi und einer hohen Anhängelast von 2500 kg adressiert er verschiedene Fahrbedürfnisse. Die Designsprache «Kodo – Soul of Motion» betont die emotionale Verbindung zwischen Fahrzeug und Fahrer – ein Konzept, das Mazda mit dem CX-60 auf eine neue Ebene hebt.

Dieser Artikel erschien im Mai 2024 in der Ausgabe MEN 1/24.

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