Snow Down auf dem Gipfel

Es ist ein goldiger Herbsttag am Thunersee. Die Berge sind leicht überzuckert, die Schneefallgrenze liegt knapp unter 3000 Metern. Von Nicolas Hojac, mit dem ich in Spiez BE, seinem Wohnort seit gut drei Jahren, verabredet bin, kenne ich nur ein Gerücht: Der 30-Jährige eifert Ueli Steck († 2017) nach, will Routen, die der am Berg tödlich verunglückte Extremsportler in Rekordzeit geradezu gelaufen ist, zeitmässig unterbieten. Hat Nicolas Hojac einen Knall?

Von der Sonne geküsst

In der kleinen Stadt Spiez erwartet mich ein sonnengebräunter, drahtig-muskulöser Gesprächspartner. Laufen will er mit mir, gottlob, nur bis ins nahe gelegene Café am See. «Die schönste Bucht Europas», schwärmt Hojac, als wir uns an die Sonne setzen. Er wirkt ruhig, aufgeräumt, fast schon ein bisschen eingebremst. «Ich komme gerade aus Indien», erklärt Nicolas, «wir wollten den 6543 Meter hohen Shivling besteigen, über eine Route, die noch niemand gegangen ist.» Ein zweiter Versuch bereits, der erste scheiterte ein Jahr zuvor, weil ein Teammitglied höhenkrank wurde. Und auch diesmal war die Expedition nicht von Erfolg gekrönt: das Wetter. Also umdrehen. Sehr vernünftig, aber es nagt an ihm.

Den Mentor verloren

Er kanns auch klassisch: Sportler-Typen wie er sehen auch im Anzug gut aus. Speziell, wenn man sie bei Sonnenuntergang auf dem Sustenpass fotografiert.
Er kanns auch klassisch: Sportler-Typen wie er sehen auch im Anzug gut aus. Speziell, wenn man sie bei Sonnenuntergang auf dem Sustenpass fotografiert.

Das klingt besonnen und steht im Gegensatz zum Ruf als Rekordjäger, der ihm vorauseilt. «Als Ueli verunglückte, habe ich mich gefragt: Will ich das überhaupt machen?», gesteht Nicolas Hojac den Moment des Zweifels. Ueli Steck war sein Mentor. «Ich habe viel von ihm lernen können. Vor allem strategisch. Zum Beispiel, wie man effizient durch die Eigernordwand kommt.» Bekanntlich eine Rekordroute von Ueli Steck, 2 Stunden und 22 Minuten brauchte der Schweizer für die 1800 Meter hohe Wand des Eigers. «Man könnte das Gefühl bekommen, ich eifere ihm nach», fährt Nicolas Hojac fort. Aber es sei einfach so, dass er ein oder zwei Projekte, die Steck gelungen seien, auch mache, weil es sich schlicht anbiete. Man glaubt ihm.

Expeditionsziele

Bergsteigen zum Beruf zu machen, kam Nicolas Hojac erst mit 23 Jahren in den Sinn. Ein Sprachaufenthalt im Unterwallis, wo der damals 13-Jährige morgens Schulunterricht hatte und die Nachmittage mit Sport, Klettern und Bergsteigen verbrachte, war ihm markant eingefahren. Aber kann man davon leben? In Niederscherli BE, wo Nicolas aufwuchs, denkt man schweizerisch. Zuerst die Ausbildung, dann der Sport. Nicolas macht eine Lehre als Automatiker, studiert Maschinenbau in Burgdorf BE. Die Lust auf Berge aber bleibt. Nicolas trainiert viel. So viel, dass er bereits während des Studiums Wege findet, Partner und Sponsoren auf sich aufmerksam zu machen. Die Einnahmen reichen, um sein Leben zu finanzieren.

Die Militärzeit verbringt Nicolas bei den Gebirgsspezialisten, viel Praktisches lernt er da. Und kommt ins Fernsehen, als der Schweizer Alpen-Club mit dem Schweizer Fernsehen SRF 2014 bis 2016 ein Expeditionsteam zusammenstellt. Die Teilnehmer werden wie in einem Casting ermittelt, einem Kletter-Casting. Nicolas bewährt sich, darf die Expedition nach China am Ende mitmachen, man kann die Episoden von «Hoch hinaus» in der Mediathek des SRF nachschauen (planen Sie Zeit dafür ein, es ist super spannend!).

Rassig sieht er aus, der Megane E-Tech 100% electric. In Zahlen: 450 Kilometer Reichweite nach WLTP. Verbrauch 15 bis 17 kWh/100 km. Google Automotive mit Spracheingabe. Ladezeit 3:10 Stunden an 22-kW-Ladestation. Preis ab 40 000 Franken.
Rassig sieht er aus, der Megane E-Tech 100% electric. In Zahlen: 450 Kilometer Reichweite nach WLTP. Verbrauch 15 bis 17 kWh/100 km. Google Automotive mit Spracheingabe. Ladezeit 3:10 Stunden an 22-kW-Ladestation. Preis ab 40 000 Franken.

Herzenssache(n)

Heute ist er Einzelunternehmer, ein Vollzeit-Bergsteiger. Bereits mit beeindruckendem Palmarès, Mammut und Red Bull sind ihm dabei dankbare Partner. 2017 begeht er die Gipfeltrilogie Jungfrau, Mönch und Eiger im Speedrekord: 11 Stunden 43 Minuten, 4300 Höhenmeter, 31.5 Kilometer. Das ist möglich, weil er die Abstiege jeweils per Gleitschirm absolviert. 2020 reisst er gemeinsam mit Seilpartner Adrian Zurbrügg die sogenannte Spaghetti-Tour, 18 Gipfel im Monte-Rosa-Massiv, alle über 4000 Meter über Meer, in 13 Stunden 29 Minuten ab, fast eine Stunde schneller als Ueli Steck zwei Jahre vor seinem Tod.

2017, nach dem Tod Ueli Stecks, zweifelte er noch, 2019 hingegen bestärkt ihn ein zweiter Schicksalsschlag in seinem Entscheid, Profi zu werden: Der Vater stirbt urplötzlich an einem Herzinfarkt nur eine Woche nach der wohlverdienten Pensionierung. «Er hatte so viel vor für die Zeit nach der Arbeit», sinniert Nicolas. Das habe ihm zu denken gegeben, sei ihm Antrieb geworden. «Mach, was dein Herz dir sagt, dein Bauch, tu das, was deine Leidenschaft ist», ist sein Fazit. Seit da geht er unbeirrt voran. Oder besser hinauf.

Komfortzonen verlassen

Formvollendet: Nicolas Hojac trainiert konsequent und bereitet sich minutiös auf Extremsituationen vor.
Formvollendet: Nicolas Hojac trainiert konsequent und bereitet sich minutiös auf Extremsituationen vor.

Wie sieht ein ganz normaler Tag aus im Leben von Nicolas Hojac? Heute zum Beispiel, wo er diesen Medientermin hat am Nachmittag? «Ich hab ein bisschen Sport gemacht mit der Freundin», berichtet Nicolas Hojac – das bisschen Sport bestand darin, auf den Niesen zu laufen, gemeinsam. An anderen Tagen macht er Kraft- oder Ausdauertraining, läuft Berge hinauf, fliegt oder geht hinunter. «Fliegen ist für mich mehr eine psychische Challenge», beantwortet Nicolas die Frage danach, ob Fliegen für ihn ebenso eine Leidenschaft sei. «Beim Fliegen bin ich viel schneller aus der Komfortzone als beim Klettern oder Bergsteigen. Fliegen ist ein anderes Element, eine andere Herausforderung. Beim Klettern muss ich mich weit aus dem Fenster lehnen, bis ich aus der Komfortzone kippe.» Oder über eine Felskante.

Der Natur Sorge tragen

Beim Erzählen wandern Nicolas' Augen immer wieder zu den Bergen. Beschäftigt ihn die Natur? Der Klimawandel? Nimmt er wahr, was da passiert, oder interessiert ihn nur das Ziel? «Ich bin Ambassador von POW, protectourwinters.org», legt Nicolas sein Engagement dar. Die Folgen des Klimawandels sieht er praktisch jeden Tag: Der Permafrost geht zurück, die Berge werden brüchiger, Berghütten verschwinden oder müssen geschlossen werden. Ein Beitrag als Extremsportler ist auch der, dass er sich auf nur eine Expedition pro Jahr in fernen Ländern beschränkt.

Überhaupt kann er das gut, sich Grenzen setzen. «Es gibt Typen, die finden, je weniger man sich absichere, ein desto krasserer Typ sei man. Das bin ich nicht. Ich bin nicht überheblich. Ich mache keine Stunts.» Und er fährt in Zukunft elektrisch, will seinen persönlichen CO2-Fussabdruck geringhalten. Bisher besass er einen Renault Captur E-Tech Hybrid, der ihm schon 40 Prozent Benzin eingespart habe, neu fährt er einen Renault Megane E-Tech 100% electric. «Ich habe mich mega gefreut, vollelektrisch fahren zu können», verrät Nicolas auf dem (Fuss-)Weg zurück zu seiner Wohnung, wo das Auto steht. «In meinen Augen ist die Elektromobilität ein Schritt in die richtige Richtung.»

Neue Ziele

Was als nächstes kommt, weiss Nicolas bereits, er plant, überlässt nichts dem Zufall. Obwohl: «Dass ich jetzt den Renault Megane E-Tech 100% electric fahren kann, ist ein Experiment, auf das ich mich freue.» Genauso wie auf eine Tour, die er auf das Frühjahr 2023 angesetzt hat: «Ich möchte alle drei Nordwände von Eiger, Mönch und Jungfrau in einem Tag durchklettern.» Das hat vor ihm noch keiner geschafft, sein Vorbild und Mentor, Ueli Steck, hat genau 25 Stunden gebraucht. Wir drücken die Daumen.

Dieser Artikel erschien im November 2022 in der Ausgabe MEN 2/22.

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