
Die Horgener Firma Piega hat mit Amazon, Google, Apple und HP eines gemeinsam: Auch ihre Geschichte begann in einer Garage. 1986 begannen die beiden Tüftler Kurt Scheuch und Leo Greiner, ihre Vision von Lautsprechern zu verwirklichen, die zum einen exzellent klingen und gleichzeitig mit ihrer Formschönheit begeistern sollten.
So wurden die Einzelteile damals in Leos Garage zu Lautsprecherboxen verbaut – und abends in Kurts Kombi zum Lager gefahren. Leo kümmerte sich um das Design der Boxen, Kurt entwickelte die Hochtöner mit speziell gefalteten Bändchen, die der Firma den Namen gaben (piega, italienisch für Falte). Schnell gelang es ihnen, sowohl die Fachpresse wie auch Händler und Musikliebhaber zu überzeugen. Der Start einer erfolgreichen Geschichte.
Die beiden Gründer Leo Greiner und Kurt Scheuch haben die Führung des Unternehmens inzwischen an die zweite Generation weitergegeben. Anfang 2018 übernahmen mit Alexander und Manuel Greiner die beiden Söhne von Leo das Unternehmen und führen es im selben Geist fort. Pro Jahr verkauft Piega heute rund 10 000 Lautsprecher – begleitet von positiven Reviews und vielen Auszeichnungen von Fachmedien aus aller Welt. Mitunter kommen Kunden aus Dubai an den Zürichsee, um hier den perfekten Lautsprecherklang zu erleben.
Alu-Revolution
Eine weitere Invention trug ebenfalls zum Erfolg bei und zeichnet die Produkte bis heute aus: 1997 begannen die Piega-Pioniere Leo und Kurt, die Gehäuse ihrer Lautsprecher aus Aluminium herzustellen. Etwas, das von High-End-Freaks erst belächelt wurde.
Innert kurzer Zeit – und vor allem mit dem Klang der Neuentwicklungen – konnten sie aber auch die schärfsten Kritiker eines Besseren belehren: Das stranggepresste Aluminium sorgt für die benötigte Stabilität und Steifigkeit. Aufwändige Verstrebungen und der Einsatz spezieller Verbundwerkstoffe trugen zur Erstellung des akustisch perfekten Gehäuses bei.
«Unser Kernziel ist, dass die Musik durch unsere Lautsprecher so reproduziert wird, wie sie im Studio aufgenommen wurde – und wie der Künstler das auch will», sagt Marketingchef Roman Walser. Nur beim guten Ton bleibe es aber nicht, wie er weiter ausführt: «Bei uns stehen die Handwerkskunst im Vordergrund, die hohe Qualität der Materialien und der Entwicklergeist. Unsere grosse Herausforderung ist es nun, ein nahezu perfektes Produkt immer noch weiter zu entwickeln.»
Zeitloses Design

Einen weiteren Schwerpunkt legt Piega unübersehbar auf das Design. Das zeitlos elegante und gleichzeitig schlichte Styling entwarfen die renommierten und prämierten Designer Hannes Wettstein und Stephan Hürlemann.
Höchste Präzision
Durch seine Präzision in den Details und den hohen Wirkungsgrad übertrifft das Bändchen die Leistungsfähigkeit eines konventionellen Kalottenhochtöners gehörig. Erzeugt wird der Klang im Beispiel der Premium-Serie durch eine nur 26 × 42 Millimeter grosse, aus einer hauchdünnen Aluminiumfolie bestehenden Membran. Deren bewegte Masse wiegt nur sieben Milligramm, rund 30-mal weniger als der leichteste Kalottenhochtöner, welchen es im Handel zu kaufen gibt. Diese Membran enthält zwei Flachspulen, die in einem aufwändigen Sprühnebel-Ätzverfahren hergestellt werden.
«Dieser Montageschritt wäre sehr schwierig zu automatisieren, das kann ein Mensch viel besser», sagt Mario Ballabio, der seit 25 Jahren bei Piega im Einsatz ist. Schon sein Vater arbeitete für die Firma, neuerdings auch seine Tochter.
36 Jahre später besuchen wir Piega in einem ehemaligen Gerbereigebäude, nahe am Bahnhof Horgen ZH und unmittelbar am Seeufer gelegen. Hier hat die Firma seit 1991 ihr Domizil – unweit der Garage, wo alles begann. Mittlerweile arbeitet ein Team von 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an den besten Boxen der Welt. Über die Jahre ist die Produktepalette – unter anderem durch Aktivlautsprecher mit umfangreichen Streamingdiensten – ständig gewachsen, geblieben aber ist die Bändchentechnologie des Hochtöners.
Mechaniker und Bändchenspezialist Mario Ballabio sagt: «Das Schöne ist, dass bei uns eigentlich alles zusammenspielt: sowohl die Intuition wie auch hochspezifische Messtechnik – wir haben auch Physiker im Team – und letztlich das Handwerk. Wir entwickeln, erstellen und kontrollieren alles selbst. Und am Schluss wird alles mit Leidenschaft zusammengebaut.»
Neben den hochwertigen High-End-Produkten im Preissegment von bis zu 70 000 Franken sind inzwischen auch Einsteigermodelle für rund 1100 Franken pro Paar zu haben. Marketingleiter Walser nennt eines der Ziele, die sich das Unternehmen für die Zukunft gesetzt hat: «Wir wollen Piega auch bei denen bekannt machen, die sich nicht schon immer in der High-Fidelity-Welt bewegen, bei Musikliebhabern, die vielleicht eine mittelmässige Anlage zu Hause haben und sich wünschen, Musik auf einem deutlich höheren Qualitätsniveau zu hören.»
Dieser Artikel erschien im November 2022 in der Ausgabe MEN 2/22.


