Gestatten: Ferdinand

Der Porsche 911 ist eine Sportwagenikone, seine Grundform ist seit der Vorstellung auf der IAA in Frankfurt 1963 mehr oder weniger unverändert geblieben, selbst wenn ein aktueller 911er der Baureihe 992 im Detail absolut nichts mehr mit seinem Urahn von 1963 gemeinsam hat. Ein grosser Vorteil alter 911er aber ist, dass sie vom Serienstart Mitte 1964 weg bis zur Einführung des wassergekühlten 911 des Baumusters 996 im Jahr 1995 dieselbe Karosserie und viele über die Jahrgänge hinweg untereinander austauschbare Teile besitzen.

Das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, sich ein Auto ganz nach eigenen Wünschen mit originalen Porsche-Teilen aufbauen zu können. Einer der ausgewiesenen Spezialisten für Porsche aller Jahrgänge, Sportec in Höri bei Bülach im Zürcher Unterland, hat nun die Schweizer Antwort auf den Trend der Outlaws und Restomod-Porsche geliefert: den Ferdinand.

Restauriert, ...

Restomod heisst nichts anderes als restaurieren und modifizieren. Bei Sportec bedeutet der Teil des Restaurierens, dass das Basisauto bis zur letzten Schraube zerlegt wird. Natürlich nachdem der Wagen auf der Strasse ausgiebig gefahren und auf dem Prüfstand getestet worden ist. So lassen sich böse Überraschungen im Vornherein ausschliessen. Für den Ferdinand hat Sportec einen 1989er-Porsche 911 der Baureihe 964 gewählt. Dessen Vorteil sind das im Vergleich zu den Vorgängern massiv verbesserte Fahrwerk und ein neu konstruiertes Getriebe mit weit besserer Schaltpräzision. Der schmal bauende 964 ist genau die richtige Wahl zur Kreation eines Outlaws im Stil früher 911er aus der Zeit vor 1974, als noch keine dicken US-Stossstangen die reine Form des von Ferdinand Alexander «Butzi» Porsche entworfenen Autos verunstalteten.

Die Technikteile, die Hauptkomponenten des ebenfalls zerlegten Motors und Getriebes wurden beibehalten, aber von Sportec frisch bearbeitet, der Kurbeltrieb etwa ist neu feingewuchtet, alles ist neu gelagert oder im Falle der Aufhängung neu gebuchst. So nimmt Ferdinand seinen Anfang auf einer nahezu neuwertigen Basis.

... dann modifiziert

Leichter, schneller und schöner, die Transformation vom Serien-964er zum Ferdinand hatte mehrere Ziele. Um ihn leichter zu machen, ersetzte Sportec fast die gesamte Aussenhaut aus Stahlblech durch Karbon-Kevlar-Teile, die Kotflügel erhielten um 30 Millimeter breitere Radhäuser. Die üppigen Plastikstossfänger machten Platz für filigrane Teile im Stil der frühen 1970er-Jahre, die Fronthaube ist dafür etwas länger als beim 964.

Als optisches Leitmotiv diente Ferdinand der Über-911 schlechthin, der Carrera RS 2.7. Dazu gehören beispielsweise auch das Heck mit Entenbürzel und die berühmten Fünfspeichen-Alufelgen von Fuchs.

Ferdinands Innenraum wurde entrümpelt, Plastik mit edlen Materialien wie gefrästem Aluminium, Leder oder Alcantara ersetzt, dazu kamen leichte Rennschalensitze. Kenner haben wenig Mühe, die Unterschiede zwischen dem durchgestylten Ferdinand und dem Serien-964er zu erkennen. Ergänzt ist das Ganze mit einem neuen Soundsystem und zeitgerechter Handy-Ladestation. Zu guter Letzt gönnten die Könner von Sportec dem Motor grössere Zylinderbüchsen für eine Hubraumerweiterung von 3.6 auf 3.8 Liter, was problemlos innerhalb des vom Amt tolerierten Bereichs von 20 Prozent liegt. Dasselbe gilt für die exakt um diesen Wert höhere Leistung von 300 statt 250 PS.

Das Muster überzeugt, Ferdinand hat etwa an der Auto-Zürich vergangenen November für viel Aufsehen gesorgt. Das erste Exemplar ist längst verkauft, und Sportec-CEO Gregor Burkard verspricht, dass kein Ferdinand wie der andere sein werde – ganz im Sinne eines richtigen Outlaw-Porsche.

Dieser Artikel erschien im Juni 2023 in der Ausgabe MEN 1/23.

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