
Holzzuschnitt. Die Fans von Michael Schweizer lachen schon nur bei diesem Wort. Es war am 12. Januar 2021, als Schweizer in einem Podcast seine Erlebnisse beim Holzzuschnitt in einem Baumarkt erzählte. Eine lange Geschichte war es, mit vielen Pointen und vor allem einem brillanten Schluss. Eine Geschichte, die sich in die Liste der besten Schweizer Comedy-Nummern aller Zeiten einreihen könnte.
Erzählt hat der Comedian die Geschichte im Podcast «Quotenmänner», den er zusammen mit dem TV-Tausendsassa Stefan Büsser und Comedy-Autor Aron Herz seit November 2019 bestreitet. Heute heisst der Podcast «Comedymänner – hosted by SRF», doch das Format ist das gleiche: drei Männer, die sich Woche für Woche Gags um die Ohren hauen und die aktuelle Nachrichtenlage kommentieren. Eine faszinierende Mischung aus derben Sprüchen, fein austarierten Wortwitzen und mitunter tiefgehenden, philosophischen Gesprächen.
Nicht immer läuft dabei alles glatt, es gibt Höhen und Tiefen in jeder Sendung, aber das macht sie auch überraschend. An jeder Ecke lauert ein billiger Kalauer oder eine tiefschürfende Analyse. Das kommt an: Die Sendung gehört zu den erfolgreichsten Podcasts der Schweiz und läuft zudem jede Woche am Donnerstagabend auch auf SRF zwei im TV.
Wer von den drei Männern jetzt der Lustigste ist, darüber streitet sich die Fangemeinde genüsslich in den Kommentarspalten. MEN hat da eine klare Meinung: Michael Schweizer ist der heimliche Star, von ihm kommen die besten Sprüche. Was wir natürlich den anderen beiden Comedians nie sagen würden. Aber es ist Grund genug, Michael Schweizer in seiner Wahlheimat Luzern zu treffen. Das Gespräch wird dann aber nachdenklicher als erwartet.
«Jaaaa, der Holzzuschnitt», erinnert sich Schweizer. «Darauf werde ich noch heute regelmässig angesprochen.» Und beteuert dann mit treuherzigem Blick: «Das war eine wahre Geschichte, ist wirklich so passiert.» Dass das wahre Leben so lustig sein kann, darauf muss man aber zuerst mal kommen. «Man muss erkennen, wenn etwas lustig ist. Ich hätte mich im Holzzuschnitt auch einfach nur ärgern können. Ich denke, das ist entscheidend: Stand-up-Comedians verbringen ihren Tag oft damit, ihre Umgebung zu beobachten und aus den Beobachtungen humorvolle Geschichten zu entwickeln.»
Und tatsächlich beobachtet Michael Schweizer auch bei unserem Gespräch in der Bar des Hotels Anker unentwegt. Seine Augen wandern ständig von links nach rechts, kein Detail entgeht ihm, kein neuer Gast, der nicht sofort gemustert wird. Der Mann hat seine Antennen permanent auf das Leben und die damit verbundenen Geschichten ausgerichtet.

Reicht das? Ist Comedy mit etwas Beobachtungsgabe lernbar? Schweizer entspannt sich zum ersten Mal, lehnt sich zurück und denkt nach. «Comedy kann schwer in Worte gefasst werden. Aber es gibt definitiv einige Techniken, die dabei helfen können. Eine davon ist das Schaffen von Fallhöhen, also Momenten, in denen eine unerwartete Wendung oder Übertreibung den Humor erzeugt. Wenn zum Beispiel eine 1,55 Meter grosse Frau ein Interview mit einem Basketballteam macht, entsteht aufgrund des starken Grössenkontrasts schon eine optische Fallhöhe. Das kann ganz lustig sein.»
Mit Fallhöhen kennt sich Schweizer aus, nicht immer hat er sie richtig eingeschätzt. Wie 2020, als er mit einem Witz über den Tennisspieler Novak Djokovic die serbische Community in der Schweiz gegen sich aufbrachte. Würde er den Gag wieder machen? Schweizer überlegt lange. «Nein. Ja … Also … Die Pointe sollte nach oben treten, übertreiben. Ich wollte ausschliesslich Djokovics Verhalten kritisieren. Aber ich würde sie trotzdem nicht wieder machen. Weil man nicht erwarten kann, dass alle Menschen den eigenen Humor teilen, und das zu viele negative Gefühle bei zu vielen Hörerinnen und Hörern ausgelöst hat.»
In der Kritik standen die drei «Comedymänner» mit ihrem Podcast des Öfteren. Eine Tages-Anzeiger-Journalistin schrieb «Warum ich Stefan Büsser und seine Quotenmänner nicht lustig finde», immer wieder werden die drei Comedians wegen sexistischer Sprüche angeprangert oder wegen ihrer klaren Haltung für die Impfung während der Coronazeit. Michael Schweizer ist da tiefenentspannt. «Ich muss nicht jedem gefallen, und niemand muss uns zuhören. Humor ist sehr subjektiv, und was eine Person zum Lachen bringt, kann für eine andere überhaupt nicht lustig sein. Da kann man nicht generalisieren.»
Aber das bedeutet nicht, dass jeder Witz erlaubt ist. Für Michael Schweizer ist Humor ein sensibles Thema, über das er viel nachdenkt. «Es ist wichtig, respektvoll gegenüber den Empfindlichkeiten anderer Menschen zu sein, während gleichzeitig die kreative Freiheit gewahrt bleiben muss. Die Frage, wie weit Humor gehen darf, hat keine endgültige Antwort. Jeder Mensch empfindet das anders.»
Eindeutig sind hingegen die teilweise negativen Reaktionen, die er und seine beiden Mitstreiter auf den Social-Media-Kanälen erleben. Schweizer ist Medienprofi und kann den Hype relativieren. «Ich sage immer: Früher gab es in jedem Dorf einen Dorftrottel. Aber schon im nächsten Dorf kannte man den nicht mehr. Heute sind dank dem Internet auch sehr kleine Gruppierungen miteinander verbunden und können so einen ungeheuren Lärm veranstalten. Aber am Schluss des Tages sind es eben nur einige wenige, die Mehrheit der Menschen denkt anders.»
Doch auch wenn Michael Schweizer ein Internet-Profi ist, die Community dort überrascht ihn dennoch immer wieder. In einer Folge wurden Witze über seine Füsse gemacht, und es entstand die Idee, Fotos von ihnen für 50 Franken zu verkaufen. «Das hat tatsächlich funktioniert, bevor ich es stoppte», lacht er. Oder die Tatsache, dass Tausende von Menschen ihm auf Instagram zuschauen, wie er einen Nussgipfel isst. «Das verstehe ich bis heute immer noch nicht», gibt er freimütig zu.

Noch ist Michael Schweizer ein Insider-Tipp. Aber das kann sich ändern, wenn er ab kommendem Februar an der Seite von Stefan Büsser in der neuen Sendung «Late Night Switzerland» auf SRF 1 auftreten wird.
Macht ihm der Ruhm Angst? Schliesslich ist sein Privatleben ein absolutes Tabu. Michael Schweizer lächelt. «Ich weiss, was passieren kann. Es hat viel damit zu tun, wie man sich verhält. Wenn du jedes Interview annimmst und dein Leben in den Medien ausbreitest und jedem alles erzählst, dann landest du irgendwann auf der Titelseite der Coop-Zeitung, bei ‹Gesichter und Geschichten› und in der Glückspost unter den 100 schönsten Schweizerinnen und Schweizern. Aber wenn du das nicht machst, dann kannst du es bis zu einem gewissen Grad steuern.» Dann runzelt er die Stirn, lächelt und beteuert: «Zumindest rede ich mir das ein.» Ob es so einfach sein wird? Wir werden es sehen.
Ein Schweizer Leben
Der Schweizer ist ein typischer Schweizer. Nur lustiger. Aufgewachsen im Limmattal, absolvierte Michael Schweizer nach schlechten Schulnoten («niemand hat mir gesagt, dass ich Note 5 haben muss») das 10. Schuljahr und danach eine Lehre als Sportartikelverkäufer («in unserer Familie gibt es keine Akademiker»). Nach Zwischenstationen in der Marketing-Abteilung bei Ikea Spreitenbach, als Produzent bei Radio 24 und als Autohändler in der Familienfirma gründete Schweizer eine Podcast- und Video-Agentur. Daneben entdeckte er sein Talent als Comedy-Schreiber. 2019 startete das Multitalent zusammen mit Stefan Büsser und Aron Herz bei Radio SRF 3 den Podcast «Quotenmänner». 2021 lancierten die drei ihren eigenen Podcast «Comedymänner», mit dem sie auch erfolgreich auf Live-Tour sind. Ab Februar 2024 tritt Schweizer an der Seite von Stefan Büsser in der neuen Sendung «Late Night Switzerland» bei Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) auf. Daneben sieht und hört man den umtriebigen Comedymann in anderen Formaten wie «Podcast am Pistenrand» mit den ehemaligen Skiprofis Tina Weirather und Marc Berthod oder als Nussgipfeltester auf Instagram. Ach ja: Bis Oktober 2023 war Michael Schweizer zwanzig Jahre lang auch Leadsänger der Coverband «Rock Load». Sich selbst bezeichnet er als eigentlich faulen Menschen – und er macht am liebsten Ferien in einem Camper am Lago Maggiore.
Dieser Artikel erschien im November 2023 in der Ausgabe MEN 2/23.


