
Zunächst ging es um Geld, genauer um Banknoten. 1908 suchte die Schweizerische Nationalbank passende Motive für eine neue Serie — qualitativ hochstehend und von schweizerischem Charakter. Wen wundert’s, dass die Wahl auf den Berner Maler Ferdinand Hodler (1853–1918) fiel: Er stand am Zenit seines Könnens und hatte an der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille erhalten. Hodler zeichnete als Vorlage seinen ersten Holzfäller, der bei den Auftraggebern auf Begeisterung stiess. Das fertige Produkt, die 50-Franken-Note, bereitete ihm allerdings wenig Freude — zu Recht, denn das Bild wirkt darauf seltsam flach und ohne Nuancen.
Das Original gefiel dem kunstsinnigen Publikum umso besser, sodass Hodler gleich mehrere Aufträge für weitere Holzfäller erhielt. Er lieferte, was gefragt war — das brachte ihm Lob von Sammlern und wirtschaftlichen Erfolg, aber auch Spott von Künstlerkollegen. Cuno Amiet schimpfte: «Er fängt an, sich affenmässig zu kopieren.» Als Kopien hätte Hodler die Bilder nicht bezeichnet, sondern als Versionen ein und desselben Motivs: mal grossformatig, mal kleiner, mal Herbst, mal Frühling, der Hintergrund abstrakt oder konkret, der Gesichtsausdruck variierend. Dass es mehrere Originale gab, ermunterte allerdings auch Fälscher — wer hatte da noch den Überblick, was echt und was falsch war?

Die Ausstellung im Kunstmuseum Luzern präsentiert neben unterschiedlichen Versionen des «Holzfällers» auch politische Plakate: Das ausdrucksstarke Bild wird bis heute für eine Vielzahl von Botschaften eingesetzt — von rechts bis links, immer geht es um Kraft, Kampf, Widerstand. Ein «Holzfäller» ist übrigens im Besitz der Eidgenossenschaft und hing im Büro von Moritz Leuenberger und später auch von Christoph Blocher, die sich sonst nur selten einig waren.
Gewaltig, wuchtig, monumental — das sind die Worte, die einem zu Hodlers «Holzfäller» einfallen. Es ist aber auch eine Darstellung eines Mannes, wie man sie heute kaum mehr fände: In einer Zeit, in der das Männerbild stark ins Wanken geraten ist, zeigt sie mit entwaffnender Offenheit männliche Stärke und Entschlossenheit als etwas Dynamisches und Schönes. («Hodlers Holzfäller. Die Schweizer Erfolgsserie», Kunstmuseum Luzern, bis 13. Februar 2022.)

Dieser Artikel erschien im November 2021 in der Ausgabe MEN 1/21.


