
«In Wirklichkeit ist es der wohl transparenteste Weg für eine Kaufabwicklung», sagt die Leiterin des Zürcher Sitzes von Bonhams. Das Londoner Haus mit Filialen in aller Welt gibt es seit 1793 — das allein bürgt für Vertrauenswürdigkeit. Und dennoch sind die Schweizer vorsichtig, wenn es um Auktionen geht, obwohl Versteigerungen hierzulande nicht fremd sind: Stiere, Rinder und Kühe werden seit jeher so verkauft. Kühe findet man bei Bonhams keine, aber eine riesige Bandbreite an Objekten — von Classic Cars über Uhren, Schmuck, edle Weine und Whisky bis zu Kunst aller Epochen.
Auch das Budget-Spektrum ist breit: Es beginnt bei Einsätzen um 200 Franken und reicht bei exklusiven Stücken in die Millionen. Der Mindestpreis steht stets fest, und auch der empfohlene Höchstpreis wird von Experten angegeben — was die Interessenten dann wirklich bieten, ist eine andere Geschichte und läuft unter dem Begriff «Liebhaberwert». «Objekte, die ein Stück Zeitgeschichte sind und eine Geschichte haben, besitzen nicht nur einen monetären, sondern oft einen emotionalen Wert für die Person, die sie ersteht», weiss Bodmer.

So gelingt der Einstieg
Kleinere, günstigere Objekte sind ein guter Einstieg für Neulinge — etwa Plakate, Lithografien und Drucke aus dem Bereich «Prints and Multiples». Steht das Objekt der Begierde fest, gibt es vier Wege mitzubieten: in Person vor Ort (bei Bonhams vor allem London, New York, Los Angeles), per schriftlichem Absentee Bid, live online via Computer oder App, oder per Telefon mit einer Bonhams-Mitarbeiterin, die stellvertretend bietet. Der bequemste Weg ist der Absentee Bid — aber auch der am wenigsten spannende. Denn ein Teil des Reizes ist genau der Nervenkitzel, wenn sich die Angebote übertreffen und man in Sekunden entscheiden muss, ob man noch etwas mehr bietet.

Experten helfen weiter
Für ein sicheres Erlebnis sorgt ein grosses Netz von Expertinnen und Experten: Sie begutachten jedes Objekt, prüfen Echtheit, Herkunft, Zustand und Wert und erstellen die «Condition Reports», die Interessenten anfordern können. «Gerade als Laie sollte man nicht zögern, Fragen zu stellen — unabhängig vom Preis des Objekts», sagt Bodmer. «Auktionen sind eine Welt für sich. Es braucht nur zwei Bieter, und schon wird es interessant; bei sieben bis zehn wird es richtig lebendig. Ich bin noch heute jedes Mal freudig aufgeregt, wenn ich am Telefon für unsere Kunden biete. Genau das macht den Reiz aus.»
Dieser Artikel erschien im November 2021 in der Ausgabe MEN 1/21.


