Immer in Bewegung

Jan Dettwyler, besser bekannt als SEVEN, ist seit 2002 in Sachen Musik unterwegs: siebzehn Alben, über 1000 Konzerte und mittlerweile mehrere Staffeln «Sing meinen Song». Der gebürtige Aargauer lebt für die schwarze Musik der USA — und für den Live-Moment. Ein Gespräch über Antrieb, Ästhetik und das Schreiben auf Deutsch.

MEN: Wie schafft man es, bald 20 Jahre lang so erfolgreich im umkämpften Musik-Business zu sein? Was ist Ihr Antrieb, Ihr Motor?

SEVEN: Danke für die Blumen! Für mich liegt das Geheimnis darin, kein Rezept zu suchen, weil die Liebe zur Musik grösser ist als jegliche Logik. Ich höre ständig Musik und interessiere mich für alle erdenklichen Formen des Geschichtenerzählens. Mir wird es so schnell langweilig, dass es mir gar nicht möglich ist, mich ständig zu wiederholen. Deshalb gehe ich immer wieder neue Wege. Und wenn ich eine Idee im Kopf habe, dann ziehe ich sie mit vollster Konsequenz und der ganzen Kavallerie bis zum Schluss durch. Ich liebe es, Filme, die zunächst nur in meinem Kopf entstehen, in die echte Welt zu übertragen und mit meinen liebsten Spielkameraden auf der Bühne die wildesten Ideen zum Leben zu erwecken. Dafür brenne ich jeden Tag wie ein Teenager vor seinem ersten Date.

Haben Sie Vorbilder?

Meine Vorbilder sind Musiker wie Prince und Whitney Houston, Regisseure wie Alfred Hitchcock, Federico Fellini und Christopher Nolan oder Sportler wie Michael Jordan — alles vernetzte Multitalente. Wenn man auf einem Gebiet aussergewöhnlich ist und das auch noch skalieren und multiplizieren kann, entsteht Grossartiges. Das fasziniert mich: kompromisslose Qualität, die sich unwiderstehlich durchsetzt.

Zur Person: Jan Dettwyler (43), besser bekannt als SEVEN, stammt aus dem Aargau, doch sein Herz schlägt für die schwarze Musik der USA — R’n’B, Funk und Soul. Seit 2002 ist er unterwegs; siebzehn Alben und über 1000 Konzerte später entwickelt er sich immer weiter. Seine letzten Alben schrieb er auf Deutsch. SEVEN ist mit der Stylistin Zahra Abdalla verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Luzern.
Zur Person: Jan Dettwyler (43), besser bekannt als SEVEN, stammt aus dem Aargau, doch sein Herz schlägt für die schwarze Musik der USA — R’n’B, Funk und Soul. Seit 2002 ist er unterwegs; siebzehn Alben und über 1000 Konzerte später entwickelt er sich immer weiter. Seine letzten Alben schrieb er auf Deutsch. SEVEN ist mit der Stylistin Zahra Abdalla verheiratet, hat zwei Söhne und lebt in Luzern.

Erfahren Sie Grenzen, weil Sie in der Schweiz leben und nicht in den USA oder Deutschland?

Der Absender ist im Showbusiness betriebswirtschaftlich immer extrem ausschlaggebend. Die Menschen in unmittelbarer Nähe sind die Ersten, die einen unterstützen müssen, wenn eine Karriere entstehen soll. Ich klang nie so, wie es mein Pass beschrieb — man wusste oft gar nicht, in welche Kategorie man mich einreihen sollte. Andererseits ist es ein Vorteil, wenn man so ein Alien ist wie ich: In der Schweiz bin ich dadurch immer extrem aufgefallen. In den Staaten hätte ich das mit meiner Musik nie so geschafft. In der Schweiz konnte ich mein Genre selber zimmern, aber für ein klar begrenztes Publikum. Anderswo ist das Genre riesig und lukrativ, aber dafür schwimmen tausend andere Fische im Teich. Wie so vieles im Leben hat alles seine Vor- und Nachteile.

Das Publikum liebt Ihre Live-Auftritte. Was bedeuten Ihnen Konzerte?

Das Konzert in jeglicher Form ist die Königsklasse der Musik, für mich eine eigene Kunst- und Sportart. Ich liebe es, im Studio jeden Ton und Schlag tausendmal umzudrehen und zu optimieren. Aber der Live-Moment ist meine Mitte. Da bin ich voll in meinem Element und die Welt steht still. Mein grösstes Talent ist die Aufnahmefähigkeit — alles zu spüren und zu verarbeiten, was rundherum passiert. Im Leben ist das nicht nur positiv, sondern auch anstrengend, aber beim Konzert sind alle meine Qualitäten so gefragt wie sonst nirgends. Da bin ich ich.

Sie gelten als Man of Style — wie wurde Ihr Sinn für Ästhetik geprägt?

Seit zehn Jahren ist SEVEN Markenbotschafter von Lexus. Für den Shooting posierte der Sänger am Steuer des LC 500 Cabriolet.
Seit zehn Jahren ist SEVEN Markenbotschafter von Lexus. Für den Shooting posierte der Sänger am Steuer des LC 500 Cabriolet.

Mich haben immer die Outfits der Künstler oder die Ausstattung im Film und im Theater fasziniert. Ich liebe meine Kunst so sehr, dass ich sie auch würdig verpacken möchte, mit allem Aufwand, der möglich ist. Meine Frau Zahra ist Stylistin, und wir haben in diesem Bereich schon so viel zusammen gerockt, was meinen Stil weiter verfeinert hat. Aber ehrlich gesagt lief ich schon als Teenager total anders herum als die anderen Kids in meiner Klasse.

Lange haben Sie auf Englisch gesungen, jetzt tun Sie es auf Deutsch. Warum?

Vor einigen Jahren habe ich in der deutschen TV-Show «Sing meinen Song» das Lied «99 Luftballons» gecovert — auf meine Art, aber auf Deutsch. Danach habe ich den Song auch live gespielt, und diese Direktheit hat mir zunächst Angst gemacht: Ich habe mich dabei unfassbar nackt gefühlt. Ich musste herausfinden, ob ich auf Deutsch schreiben und dabei authentisch bleiben kann. Deshalb habe ich mich ein Jahr lang immer wieder mit demselben Text beschäftigt. Damals dachte ich noch gar nicht daran, jemals auf Deutsch zu veröffentlichen.

Aber dann ist es doch dazu gekommen?

Ja, denn nach diesem ersten Song ist mein Damm gebrochen, und seither schreibt der deutsche Stift, als hätte ich noch einmal von vorne angefangen. Weil die Sprache so direkt ist, fällt die letzte Maske, und so finden sich auch ganz persönliche Themen in Songs wieder, die ich auf Englisch nie so hätte schreiben können. Ich bin froh, jetzt beide Sprachen und beide Stifte in meinem musikalischen Etui zu haben. So geht mir keine Geschichte mehr durch die Lappen.

«Der Live-Moment ist meine Mitte. Da bin ich voll in meinem Element und die Welt steht still.»
«Der Live-Moment ist meine Mitte. Da bin ich voll in meinem Element und die Welt steht still.»

Welche Träume haben Sie für die Zukunft?

Ehrlich gesagt fühle ich mich wie ganz am Anfang meiner Laufbahn, als hätte ich noch nicht viel geschafft und als läge noch so viel vor mir. Es gibt unzählige Bühnen, die ich bespielen, und Musiker, mit denen ich arbeiten möchte — dazu Studios, in die ich mal rein muss, und Produzenten, mit denen ich arbeiten will. Ich werde mich immer fühlen, als wäre ich noch nirgends. Das Kind in mir bleibt immer Chef.

Dieser Artikel erschien im November 2021 in der Ausgabe MEN 1/21.

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