Glam-Hotel in Zürich

Damen in Designerkleidern und auf hohen Hacken schlagen allesamt die gleiche Richtung ein: Sie wollen hoch hinaus – nicht nur im Leben, sondern auch im Hotel Five. Im obersten Stock befinden sich ein Restaurant mit Club, eine Zigarren-Lounge und eine Terrasse, von der man auf die Lichter der kleinen Grossstadt blickt. Das Fünfsternhaus wurde letzten Juli mit grossem Tamtam eröffnet und bietet 87 Suiten und 62 Lifestyle-Zimmer. Gebaut hat es der wohlhabende, in Indien geborene und in Dubai lebende Kabir Mulchandani – 90 Millionen Franken hat er in den Neubau investiert.

Asylsuchende im Atlantis

Vorher stand hier das Hotel Atlantis. Es hatte eine bewegte Geschichte: Nach Betriebsschluss wohnten mal Asylsuchende, mal Besetzer oder Studierende in den Zimmern. In den goldenen Zeiten aber logierten hier Elton John, ABBA, Freddie Mercury oder Rihanna. Als Erinnerung daran sind einige der Stars als Graffiti an der neuen Five-Fassade verewigt – der erste Eindruck bei der Ankunft. Der zweite sind die in der Auffahrt platzierten Trompeten, aus denen Musik erklingt, die einen den ganzen Aufenthalt begleitet. Drinnen begrüssen ein gigantisches Grammophon und eine farbenfrohe Lobby.

Aus der Ferne ist sogar Stau schön

An der Bar werden Cocktails und Champagner in kosmopolitischer Stimmung kredenzt; sonntags steigt hier der Partybrunch. Foto: Hotel Five
An der Bar werden Cocktails und Champagner in kosmopolitischer Stimmung kredenzt; sonntags steigt hier der Partybrunch. Foto: Hotel Five

Weil sich das Hotel als digitale Marke versteht, versuchten wir, über Instagram zu buchen. Das klappte mässig – erst nach 26 Stunden kam eine Antwort. In der analogen Realität gelingt der Empfang besser: An der Rezeption ist gerade Schichtwechsel, was die hohe Zahl an Angestellten erklärt; rassig werden uns Zimmerkarten und Espressi in die Hände gedrückt. Unser Zimmer mit Wohn- und Schlafbereich, rund 280 Franken pro Nacht, liegt im ersten Stock. Die eklektisch-moderne Einrichtung gefällt, auch wenn einige Möbel und Wände schon Gebrauchsspuren zeigen.

Jeder Gast hat sein Ritual beim Betreten des Zimmers. Uns gelüstet es, aufs Bett zu springen – wir beherrschen uns und treten stattdessen auf einen der zwei Balkone, um die Aussicht auf die Zwinglistadt zu bewundern. Abends flimmert von unten ein Lichtermeer. Von hier oben sieht sogar der rot-weisse Verkehrsstau schön aus.

Kosmopoliten und Kulinarik

Mit einem Glas Zürischum starten wir und treffen Hoteldirektor Markus Rapatz – einer der wenigen, die Deutsch sprechen. Genau das macht den Aufenthalt kosmopolitisch: Angestellte und Gäste kommen von rund um den Globus. Diese Internationalität merkt man im Wellnessbereich, wo Gäste in Badesachen in der Sauna sitzen und die Türen offen lassen, so heiss ist ihnen. Wir sind froh um unsere Entspannungsmassage – die perfekte Vorbereitung für den Abend. Im Five kann man aus fünf Restaurantkonzepten wählen. Bei unserem Besuch ist das chinesische Fine-Dining-Lokal Maiden Shanghai geschlossen, damit die asiatische Crew ihre Familien besuchen kann.

Eklektisch-modern: ein Zimmer und das mit Licht inszenierte, denkmalgeschützte Treppenhaus. Foto: Hotel Five
Eklektisch-modern: ein Zimmer und das mit Licht inszenierte, denkmalgeschützte Treppenhaus. Foto: Hotel Five

Disco auf dem Dach

Das Penthouse ist das «Partyherz» des Five: Statt der teuersten Übernachtung beherbergt es Restaurant, Bar, Smoking-Lounge und Club. Im japanischen Lokal dinieren wir zu angenehmer House-Musik; die Lichterketten an der Decke sorgen später für Discostimmung. Zu kreativen Sushi trinken wir «Cuban Manhattan» und «Very Dirty Martini» und wippen zur Musik des DJs, der mit Sonnenbrille und Zylinder überschäumend auflegt.

Bei der Eröffnung war der Club an drei Abenden die Woche offen; heute fehlen die Besucher, weshalb nur Bar und Smoking-Lounge geöffnet sind. Influencer machten die Adresse letzten Sommer bekannt, doch bis London oder Berlin scheint nicht durchgedrungen zu sein, dass man hier schlafen und clubben kann. Auch wir verlegen unsere Clubnacht runter in die Stadt.

Bauernhof oder Boliden

Streetart und Weitblick: Wandbild im Penthouse und die Dachterrasse mit Sicht über Zürich. Foto: Hotel Five
Streetart und Weitblick: Wandbild im Penthouse und die Dachterrasse mit Sicht über Zürich. Foto: Hotel Five

Im Sommer trifft man die Partygänger auch am Pool – wobei es in Zürich kompliziert ist, draussen Musik zu spielen. Nicht der einzige Konflikt am Stadtrand: Auch laute Boliden bemühen die Nachbarschaft. Zu Atlantis-Zeiten störten sich die Hotelgäste umgekehrt an den Kuhglocken des benachbarten Bauernhofs. Am nächsten Tag erkunden wir das Haus: Der Raum des chinesischen Restaurants dient nun dem Frühstück, und im Restaurant Soul Street stehen gleich fünf Länderküchen auf dem Menü. Wir haben Lust auf Lateinamerika – bald stehen Guacamole und Tacos vor uns, neben roten China-Lampions, einem thailändischen Foodtruck, japanischen Mangas und einem Hippie-Bus.

Mit Bass im Bett

Es ist Samstag; gegen Mitternacht drückt uns die Kellnerin Stempel für den Club aufs Handgelenk. 90 Personen werden erwartet, einige aus der Schickeria sind schon da und bestellen Magnumflaschen Champagner mit Funkenregen. Wir tanzen kurz unter dem riesigen Kronleuchter, stossen aufs Leben an – und wissen: Gleich sinken wir in ein riesiges, unglaublich bequemes Bett. Die wummernde Musik hören wir, bis sich die Lifttüren schliessen; im Bett begleitet uns ein schwacher Bass in den Schlaf.

* Der Aufenthalt wurde vom Hotel Five unterstützt.

Dieser Artikel erschien im Juni 2023 in der Ausgabe MEN 1/23.

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