
Rubi. Alle, die ihn kannten, nannten ihn nur Rubi. Und er war bekannt, der schöne Porfirio Rubirosa Ariza, wie er mit vollem Namen hiess. Männer bewunderten seinen aufregenden Lebensstil und seine Klasse, Frauen waren von seinem Charme hingerissen — kaum eine konnte ihm widerstehen. Wozu auch? Das Leben ist kurz. Im Fall von Porfirio Rubirosa leider nur 56 Jahre lang. Aber in dieser Zeit erlebte er mehr als andere in hundert Jahren.
1909 in der Dominikanischen Republik geboren und in Paris aufgewachsen, verband sich in ihm die Lebensfreude eines Latinos mit dem Savoir-vivre und der Eleganz eines Franzosen — eine Kombination, die ihm die Türen zum diplomatischen Dienst, zum Jetset und zu den Herzen der Frauen öffnete. Fünf Mal war er verheiratet; zwei seiner Ehefrauen, die Erbinnen Doris Duke und Barbara Hutton, konkurrierten nicht nur um ihn, sondern auch um den Titel der reichsten Frau der Welt. Daneben sagte man ihm Liebeleien mit Ava Gardner, Marilyn Monroe und Zsa Zsa Gabor nach. Als echter Gentleman plauderte er nie Intimitäten aus — und so wurde allgemein bekannt, dass Rubirosas männlichstes Attribut ausgesprochen gross war: Die Kellner des Pariser Edelrestaurants Maxim’s gaben ihren riesigen Pfeffermühlen den Namen «Rubirosa».
Seine perfekten Umgangsformen und seine Intelligenz machten Rubirosa zum erfolgreichen Diplomaten — Gerüchten zufolge soll er auch als Spion tätig gewesen sein. Sein Wesen diente Ian Fleming als Inspiration für die Figur des James Bond. Wie Bond liebte auch Rubirosa das Abenteuer: ein begabter Taucher, profilierter Polospieler, glänzte als Pilot und fuhr leidenschaftlich gern Autorennen, etwa in Le Mans. Tempo und Action waren sein Leben — und leider auch der Grund für seinen frühen Tod 1965. In seinem silberfarbenen Ferrari 250 GT Cabriolet raste er frühmorgens gegen einen Baum und verstarb auf dem Weg ins Spital, nachdem er in der Nacht zuvor seinen Sieg beim Polo Cup de France gefeiert hatte. Bis zuletzt blieb er seinem Motto treu: «Ich würde alles riskieren, um Langeweile zu vermeiden.» Er starb, wie er gelebt hatte: schnell.
Dieser Artikel erschien im November 2021 in der Ausgabe MEN 1/21.


