Penthouse, Pasta und Pastellfarben

Die Sirenengeräusche hallen über die Dächer, dann stimmen leicht versetzt drei Kirchen mit ihrem Glockenspiel ein. Der Blick von der Terrassensuite des Hotels Volkshaus in Basel ist spektakulär: Das rote Rathaus erkennen selbst Laien schnell, die unverkennbare Spitze schaut hinter der Stadtsilhouette empor. Im Sommer stehen auf der Terrasse Pflanzkübel, ein Thymian blüht, ein voll behangener Apfelbaum steht neben einem fast weissen Nadelbäumchen. Die Regentropfen klatschen auf den Steinboden – beobachten lässt sich das alles aus dem Trockenen des Dachvorsprungs, von Liegestühlen aus.

Das Boutiquehotel Volkshaus hat sich kürzlich einer Generalrevision unterzogen. Die Hausbesitzer, die Unternehmer Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach, übernahmen das Volkshaus 2011 vom Kanton Basel-Stadt. Nun wurden Stadthäuser miteinander verbunden – beauftragt damit waren die Basler Architekten Herzog & de Meuron, die ein stilvolles Boutiquehotel schufen.

Logiert wird in 45 Zimmern und Suiten; die grösste ist das Penthouse. Alles im 70 Quadratmeter grossen Loft ist von eleganter Schlichtheit: Die Wandtapete zeigt in Pastell historische Szenen, WC und Dusche sind in Kabinen versteckt – so dezent, dass wir die zweite Toilette erst am nächsten Morgen entdecken. Überall steht schönes Design, und selbst das Duscherlebnis ist bemerkenswert: Das Kräuter-Duschgel passt sogar zu den maigrünen Fliesen.

Pariser Brasserie oder Basler Beizli? Der begrünte Innenhof des Hotels Volkshaus Basel. Foto: Robert Rieger
Pariser Brasserie oder Basler Beizli? Der begrünte Innenhof des Hotels Volkshaus Basel. Foto: Robert Rieger

Einiges im Volkshaus brauchte keine Architekten, sondern wurde von der Natur gestaltet – etwa der Innenhof, wo man unter Kastanienbäumen sitzt und der Brunnen plätschert. Wir aber setzen uns lieber mitten ins Treiben: Auf der Terrasse der IMI Bar stimmen wir uns mit einem New Yorker IPA und einem Glas Champagner auf den Feierabend ein. Ein Lausbub bläst die brennende Kerze auf dem Nachbartisch aus und grinst uns schelmisch an.

Kosmopolitische Brasserie

Nicht nur die Räume des Viersternhotels sind neu, auch die Belegschaft: Geführt wird das Haus von Manuela Voser, in der Küche hat Kevin Kirchmaier das Sagen. Die Brasserie ist bei unserem Besuch praktisch ausgebucht; den Raum dominieren eine «Giesskanne» – eine Kunstinstallation von Florian Graf – und mundgeblasene Deckenlampen. Wir starten mit gebratenen Champignons und Austern, am Nebentisch wird französisch gesprochen, am anderen Englisch – wir fühlen uns kosmopolitisch und stossen mit Negroni und Whiskey Sour an.

Im Restaurant des Volkshaus fühlt man sich daheim und kosmopolitisch zugleich. Foto: Robert Rieger
Im Restaurant des Volkshaus fühlt man sich daheim und kosmopolitisch zugleich. Foto: Robert Rieger

Der Coq au Vin kommt mit Süsskartoffelstock und Röstgemüsejus, die Tortelloni mit Sommertrüffel beweisen die Handwerkskunst der Brigade. Küchenchef Kirchmaier meint es mit den Portionen gut. Das Dessert lassen wir aus – schliesslich wartet die Penthouse-Terrasse, wo wir den Abend in Bademänteln und Wolldecken ausklingen lassen.

Sightseeing mal anders

Am nächsten Morgen zeigt sich die Sonne – und damit die Stadt von ihrer schönsten Seite. Wir schnüren die Laufschuhe; je nach Saison lässt sich das «Sight Jogging» auch durch «Sight Swimming» ersetzen: einfach etwas flussaufwärts marschieren und sich im Rhein treiben lassen (Schwimmsack nicht vergessen, und Augen auf – ab und an fahren Tankschiffe durch). Das Volkshaus bietet dafür das passende «Splash Package». Wir joggen am Basler Münster vorbei, wo der Organist bereits übt; ausser Orgel und unseren Schritten auf dem Pflaster hört man nichts.

In der Küche hat Kevin Kirchmaier das Sagen. Foto: Hotel Volkshaus Basel
In der Küche hat Kevin Kirchmaier das Sagen. Foto: Hotel Volkshaus Basel

Läckerli und Luftschlösser

Zurück in Kleinbasel zeigen die Bäckereien Wirkung – ein Basler Läckerli? Wir widerstehen und nehmen nach der Dusche in der Bar Platz, deren Tresen morgens zum Frühstücksbuffet wird. So üppig ist die Auswahl, dass es die angebotene Eierspeise gar nicht braucht. Kunstmuseum oder Haus der Kulturen? Nichts dergleichen: Wir stürzen uns wieder in die Bademäntel und faulenzen auf den Liegestühlen der Terrasse. Mucksmäuschenstill ist es – die Sicht ist schlicht perfekt.

Dieser Artikel erschien im November 2024 in der Ausgabe MEN 2/24.

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