
Leidenschaft ist eine Emotion, die das Gemüt völlig ergreift. Mit Passion verfolgt man kein Ziel, man begehrt es. Dabei kann der Verstand aussetzen, bisweilen begibt man sich deshalb sogar in Gefahr. Aber Angst fühlt man keine. Denn ängstlich geht man nicht an seine Grenzen. Rudy Ghiara erzählt im Gespräch mit MEN von seiner Leidenschaft. Der Italiener ist Profisurfer. Er reitet auf Wellen, die Höhen von sechsstöckigen Gebäuden erreichen. «Surfen ist meine Leidenschaft. Surfen ist mein Leben», sagt Ghiara. «Auf Wellen zu reiten, gab mir immer ein gutes Gefühl.»
Angefangen mit dem Surfen habe er als 16-jähriger Bursche. «Es hat mich vom ersten Tag an gepackt. Seither fasziniert es mich. Deshalb habe ich nie mehr damit aufgehört.» Von der Leidenschaft angetrieben sprang er in die Fluten – und auf immer höhere Wellen. «Du musst dich hineinstürzen in ein solches Abenteuer. Du musst an dich glauben. Du musst dir sagen, du schaffst das.»
Big-Wave-Paddling nennt sich diese Art des Surfens, die Ghiara lebt. Die Welle oder der Berg von Wasser wird dabei allein mit Körperkraft erklommen, ohne Unterstützung eines Jetskis. Ghiara hat auch schon Weltrekorde zu brechen versucht. Unterkriegen lässt er sich nicht. «Letztes Jahr bin ich offiziell eine 15 Meter hohe Welle geritten. Inoffiziell gab es aber sicher auch eine, die eher 18 Meter hoch war.» Im Januar 2021 sei der Wellengang bei Nazaré, einer am Atlantik gelegenen Stadt in Portugal, historisch gewesen. Bis zu 20 Meter hoch seien die Wellen herangerollt.
Schreckensmomente

Angst hat Rudy Ghiara vor solchen Ungetümen keine. Erschrecken können sie einen aber trotzdem. So wie vor ein paar Jahren eben in Nazaré, als ihn eine Welle überrumpelte und die Wassermassen ihn in die Tiefen des Atlantiks tauchten. «Während ein paar Sekunden war ich weg. Wahrscheinlich habe ich an die Himmelstüre geklopft …» Ghiara erinnert sich an einige Schreckensmomente. Um sie komme man nicht herum. Damals, in Nazaré, habe er als Jungsurfer einen Fehler begangen, gibt er heute zu. Er habe die Wellen erblickt, sei hinausgepaddelt und gesurft, immer wieder, unermüdlich, obwohl er Sicherheitsmassnahmen ausser Acht gelassen habe. «Nach ein paar Stunden da draussen im Wasser fühlte ich mich kraftlos, also wollte ich mich von einer Welle ans Ufer tragen lassen. Die Welle, die mich erwischte, war nur rund fünf Meter hoch.» Trotzdem: Diese Momente können nie so schreckhaft sein, dass sie Ghiara vom Surfen abhalten würden. Das nächste Mal ist er bestimmt besser vorbereitet.
Die Leidenschaft zum Surfen und der Mut zu immer grösseren Wellen hätten auch die Faszination für das Element Wasser und dessen unglaubliche Kraft wachsen lassen. Wasser, so Ghiara, sei ihm auch ein Lehrmeister geworden. «Der Ozean hat mein Leben verändert. Grundlegend! Ich habe gelernt, mich zu fokussieren, bei mir zu sein, zu trainieren und mein Leben auf ein Ziel auszurichten. Ich fühle mich heute besser, in Körper und Geist.» Vom letzten Abenteuer, von der letzten riesigen Mutprobe zehrt er noch, lange nachdem das Adrenalin durch den Körper geschossen ist.
Ein gutes Gefühl
Mit Leidenschaft versetzt ein Mensch Berge oder reitet wie Rudy Ghiara auf Wellen, die so hoch sind wie sechsstöckige Gebäude. Ohne Leidenschaft geht einem dabei gewiss der Allerwerteste auf Grundeis. «Surfen ist die schönste Erfahrung, die man auf diesem Planeten machen kann, ein Vorgeschmack auf den Himmel.» Dieses schöne Surferzitat soll vom Iren John McCarthy stammen. McCarthy reiste um die Welt, feierte Erfolge und gründete, zurück in seiner Heimat, eine Surfschule. Surfen als Lebensschule. Rudy Ghiara sagte im Beisein von MEN: «Natürlich reizen mich hohe Wellen. Aber grundsätzlich gibt mir Surfen einfach ein sehr gutes Gefühl. Egal, wie hoch eine Welle ist.»

Damit allein ist es nicht getan
Ein Car of the Year, das seiner Auszeichnung gerecht wird: viele Stärken, keine echten Schwächen. So urteilte die AUTOMOBIL REVUE in der Ausgabe 38/2023 über den Jeep Avenger. Der Fronttriebler ist kein Berserker wie sein grosser Bruder Defender. Der Avenger unterstützt den Lifestyle. Ein SUV quasi, wie es sie zu Zeiten der Modelleinführung gab: höher als die Autos anderer Verkehrsteilnehmer, aber nicht so mächtig, wie es zu jener Zeit Land Rover oder eben Jeep waren. Deren opulente Masse erreicht heute fast jedes SUV. Dass der Jeep Avenger elektrisch fährt, stört dabei, ehrlich gesagt, wenig. Auch der Ü50er, der diese Zeilen geschrieben hat, hatte auf der Probefahrt Spass.
Einverstanden, es hilft einem ewigen Verbrennerfahrer und Motorsportfan, wenn der andere Ü50er auf dem Nebensitz seinen Horizont schon etwas erweitert hat. Wenn er weiss, wie man mit einem Elektroauto rekuperiert. Strom zu gewinnen, wird so bald zur Challenge, zum Spass. Genauso, wie wenn man mit einem Verbrenner über Land durch die Kurven surft und der Treibstoffverbrauch wieder ein wenig fällt.
Auch Rudy Ghiara mag den Jeep Avenger. Auch weil er den Wandel der Individualmobilität unterstützt. Der Italiener ist Surfer und ein Naturbursche durch und durch. «Ich finde es sehr gut, dass es Autos wie den Avenger gibt. Sie helfen dabei, das Klima zu entlasten», sagt er. Aber der Surferboy und Modellathlet mahnt auch: «Allein mit elektrischen Autos ist es nicht getan. Wir müssen uns alle hinterfragen, welchen Beitrag wir persönlich noch leisten können.»
Dieser Artikel erschien im November 2023 in der Ausgabe MEN 2/23.


