
Man könnte sich praktischerweise in einer Parfümerieabteilung oder einem Spa treffen, um über Kosmetik zu reden. Aber Custódio Avó ist eher ein Unkonventioneller. Wie er auftritt, wie er sich gibt, wie er – der exklusiv für Swiss line arbeitet – unbekümmert über die Konkurrenz auf Social Media spricht: alles das Gegenteil von konservativ.
Der Austausch über ultimative Beauty-Tipps für Männer fand denn auch im schönen Pavillon des Alten Botanischen Gartens in Zürich statt, wo an den Fenstern alte Heilpflanzen mit Erklärungen aus dem 16. Jahrhundert zuhause sind. Custódio ist sofort im Thema, kennt jede Pflanze. Philosophie hat der gebürtige Portugiese – mit vollem Namen Custódio José Ramalho Capoulas Avó – ursprünglich studiert, ehe ihn ein Sommerjob in einer Parfümerie für immer prägte. Auf Instagram nennt er sich @theagetraveller und sieht keinen Tag älter als 39 aus – obwohl er bereits 54 Lenze zählt.
Sharing is caring
Viele Männer bedienen sich aus den Cremetöpfen der Frauen, mit denen sie das Bad teilen. Ist das okay? «Männerhaut unterscheidet sich nicht so wahnsinnig von der der Frauen», weiss Custódio. Männer haben dank Testosteron schneller fettige Haut, und Rasieren ist keine hautbesänftigende Prozedur. «Aber es ist nichts falsch daran, wenn Männer die Pflegeprodukte von Frauen mitbenutzen. Höchstens ästhetische Inhalte stören – Pigmente etwa, die die Haut glänzen lassen, oder ein Duft, der eigentlich Frauen ansprechen soll.»

Was wäre das Minimum an Aufmerksamkeit für die Gesichtshaut – abgesehen von Rasur und Bartpflege? «Das Gute der letzten Dekade ist das Bewusstsein für Sonnenschutz. Wenn ich einem Mann eines raten soll, dann das: Starte den Tag mit einer Sonnenschutzcreme. Das darf auch der einzige Moisturizer sein.» Das komme dem Wunsch der Männer entgegen, nicht zu viele Schichten auf der Haut zu tragen.
Angesichts seiner makellosen Haut fragt man nach Custódios eigener Routine. «Natürlich bin ich kein typisches Beispiel – Kosmetik ist mein Leben seit bald 35 Jahren. Wenn es um Beautyprodukte geht, verhalte ich mich eher wie eine Frau.» Testen sei Teil seines Jobs als Produktentwickler, Fluch und Segen zugleich. «Ein Rat, den ich auch auf Instagram gebe: Wenn dir etwas gefällt, bleib dabei. Warte nicht auf ein Wundermittel und hör auf, zig Produkte auszuprobieren!»
Wirkstoffe transportieren
Haut mag keine Experimente. Eine Feuchtigkeitscreme mit Sonnenschutz reicht – und wenn Mann eine gefunden hat, die er riechen und ertragen kann, dabei bleiben. Das ist alles? «Es gibt schon noch etwas Revolutionäres», gibt Custódio zu. «Man hat Transportsysteme für Wirkstoffe entwickelt – das ist mechanisch, das verstehen Männer. Wer der Haut zusätzlich Gutes tun will, versorgt sie mit Vitamin C in Form eines Boosters, eines der potentesten Antioxidantien. Ein Tropfen am Morgen in irgendeine Creme gemischt – keep it simple!»

Und seine eigene Morgenroutine? «Ich bin da speziell. Ich wasche das Gesicht nicht gleich als Erstes, sondern trage eine Maske auf. Ich habe vier Papageien; während ich Tee oder Kaffee mache und die Vögel versorge, wirkt die Maske – mal Feuchtigkeit, mal Reinigung, mal Exfoliating, je nach Bedarf. So komme ich auf rund 300 Masken pro Jahr. Abgewaschen wird unter der Dusche, dann rasieren, Sonnenschutz und ein Booster.»
Es ist nie zu spät
Haben Sie mitgeschrieben? Es ist wirklich einfach. Sogar in die Creme aus der blauen Dose mit den fünf weissen Buchstaben kann man laut Custódio Boostertropfen geben. Und keine Angst, weibisch zu wirken – es wirkt modern. «Wer sich sichtbar pflegt, ist attraktiv per se; man darf annehmen, dass er auch sonst Sorge trägt zu sich und anderen.» Und in welchem Alter anfangen? «Sofort», sagt Custódio bestimmt. Pflege ist alterslos – und es ist nie zu spät, damit anzufangen.
Dieser Artikel erschien im November 2024 in der Ausgabe MEN 2/24.


