
Über 18 000 Follower auf Facebook, 16 000 auf Instagram und 220 000 auf Pinterest: Norbert «Bru» Ambros ist einer der erfolgreichsten und zugleich wohl ältesten deutschsprachigen Lifestyle-Blogger. Wir haben den 60-Jährigen in München getroffen. Braungebrannt, gut gelaunt und in einem zeitlosen Kaschmiranzug von Eduard Dressler stand er uns Rede und Antwort.
MEN: Du warst jahrzehntelang Investmentbanker. Vor einigen Jahren hast du parallel zum Job deinen eigenen Männer-Blog gestartet. Wieso?
Norbert Ambros: Ursprünglich wollte meine Frau einen Mode- und Lifestyle-Blog für Frauen machen, aber davon gab es bereits unheimlich viele. Da ich mich schon immer für Mode, Autos und Reisen interessiere, wurde am Ende ein Männer-Blog daraus. Das Schreiben war seither eine schöne Abwechslung zum eher zahlenbasierten Bankjob.
Wer ist deine Zielgruppe?
Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste, also Männer ab 40. Lustigerweise ist aber fast die Hälfte meiner Leserschaft weiblich – Frauen, die etwas für ihren Mann suchen. Mir ist wichtig, eine Vielfalt an Themen zu bedienen; die Leute wollen von allem ein bisschen lesen. Ich will keinen Nischenblog machen, sondern von meinen persönlichen Leidenschaften erzählen.
Wie hast du dir deine Glaubwürdigkeit erarbeitet?
Am Anfang habe ich nur über Dinge geschrieben, die ich selbst besitze und mit denen ich jahrelang gelebt habe. Stil hat für mich nämlich nichts mit Geld zu tun, sondern mit Haltung und Beständigkeit. Genau das spüren die Leser.
Du möchtest deinen Lebensabend in Italien verbringen. Hast du Angst davor, alt zu werden?
Nein, keine Angst. Manchmal hadere ich damit, dass meine Reaktionen langsamer werden – und dass ich bei Sportarten wie Downhill-Mountainbiken inzwischen zu viel nachdenke. Früher habe ich die Tricks und Sprünge gemacht, heute bin ich froh, wenn ich heil unten ankomme. Dafür geniesse ich viel mehr: Ich fahre zwei Stunden Ski wie ein Depp und setze mich danach gemütlich in die Hütte.
Wie hältst du dich fit?
Ich gehe regelmässig ins Fitnessstudio. Aber obwohl ich mich topfit fühle, merke ich, dass ich nicht mehr die frühere Kondition habe. Mein Sohn hängt mich schon seit Jahren beim 100-Meter-Lauf um zehn Meter ab.
Was ist erstrebenswert, was macht dich glücklich?
Oft täuscht man sich selbst, wenn man behauptet, glücklich zu sein. Ich bin glücklich, wenn ich rundherum Harmonie spüre – danach bin ich fast süchtig. Und obwohl man das beim Lesen meines Blogs vielleicht nicht denkt: Ich brauche kein tolles Auto, um zufrieden zu sein. Materielle Dinge sind ein Nice-to-have; viel wichtiger sind mir Erfahrungen und Erlebnisse. Meine Abenteuerlust ist nach wie vor ungebändigt.
Worauf bist du besonders stolz?
Ich durfte einmal mehrere Aston Martin auf deren Rennstrecke in Silverstone fahren – das war irre! So etwas bleibt für immer im Kopf, das kann mir keiner mehr nehmen.
Gibt es einen Kindheitstraum, den du dir erfüllt hast?
Ja, den gibt es tatsächlich. Der Vater eines Freundes hatte einen Porsche, den ich als Kind unglaublich toll fand. Mitfahren durfte ich nie, und so schwor ich mir, später selbst einen zu kaufen. Mit 45 habe ich es getan: einen Porsche 911, F-Modell, Baujahr 1973. Davon hatte ich jahrzehntelang geträumt.
Dieser Artikel erschien im Juni 2023 in der Ausgabe MEN 1/23.


