Furchtloser Optimist

Mit der grossen Ausstellung «David Hockney – Moving Focus», entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Tate Gallery London, präsentiert das Kunstmuseum Luzern eines der wichtigsten Kulturereignisse des Jahres. Der 1937 geborene Brite ist in erster Linie ein freiheitsliebender Individualist; nie kümmerte er sich gross um Stilrichtungen, sondern tat stets, was er wollte – nämlich malen. Geprägt war seine Haltung von Neugier, Offenheit und einem Optimismus, den er sich bis heute erhalten hat. «Die Welt ist sehr, sehr schön, wenn man genau hinschaut, aber die meisten Menschen tun das nicht. Ich schon. Ich schaue mit grosser Intensität und gebe wieder, was ich sehe», erklärt er.

Die Ausstellung berücksichtigt alle wichtigen Schaffensperioden und Lebensstationen – London, Los Angeles, die Normandie – ebenso wie seine Reisen durch Europa und den arabischen Raum. Von experimentellen Frühwerken über abstrakte Arbeiten bis zu multiperspektivischen Gemälden und Druckgrafiken gibt sie einen umfassenden Überblick. Besonders bekannt sind die «Pool»-Bilder, die in den 1960er-Jahren in L.A. entstanden – beste Pop-Art und Ausdruck eines Lebensgefühls, in dem vieles möglich schien. Im Zentrum steht «Bigger Trees Near Warter», Hockneys grösstes Werk: 4,5 mal 12 Meter, aus 50 Leinwänden zusammengesetzt, in sechs Wochen abwechselnd im Studio und in der Natur gemalt.

David Hockney, «Mr and Mrs Clark and Percy», 1970–71. © David Hockney / Tate
David Hockney, «Mr and Mrs Clark and Percy», 1970–71. © David Hockney / Tate

Malen – bis zum Schluss

Der Künstler mit der prägnanten runden Brille, stets tadellos gekleidet und mit Zigarette, hat sich immer wieder anderen Medien gewidmet – der Fotografie, der Videokunst, und seit 2010 entstehen viele Werke am iPad. Heute, mit 84, malt Hockney weiter: «Ich bin ein Arbeiter. Ich habe nicht vor, je aufzugeben, und werde bis zu meinem Tod malen.» Und Rebell ist er geblieben – auch wenn er jeden Abend um 21 Uhr im Bett liegt, um frühmorgens das erste Tageslicht für seine Bilder zu nutzen. «David Hockney – Moving Focus», Kunstmuseum Luzern, 9. Juli bis 30. Oktober 2022.

Seit 2010 entstehen viele Werke Hockneys am iPad. © David Hockney
Seit 2010 entstehen viele Werke Hockneys am iPad. © David Hockney

Dieser Artikel erschien im Mai 2022 in der Ausgabe MEN 1/22.

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