
Kaum eine Stunde dauert der Flug von Zürich nach Bozen. Der Landeanflug zieht sich im Tiefflug zwischen den aufsteigenden Wänden des Eisacktals minutenlang hin; unter uns reiht sich Apfelplantage an Apfelplantage. Für eine Distanz von knapp 300 Kilometern lohnt sich das Flugzeug eigentlich kaum – doch das Südtirol ist aus der Schweiz nur mühsam zu erreichen, es sei denn aus dem Engadin durchs Münstertal nach Meran. Wer fliegt, kommt schnell an. Und es lohnt sich, denn das Südtirol ist ein Rückzugsort für Liebhaber schöner Strassen und guter Weine.
Die endlosen Apfelfelder waren nicht schon immer da. Heute versorgt das Südtirol halb Europa mit Äpfeln, doch vor nicht allzu langer Zeit beherrschte der Weinbau die Region. Noch heute sind die Hänge von Reben geprägt; einer der grössten Familienweingüter gehört Martin Foradori-Hofstätter. Weinbau im Südtirol, sagt er, sei eine vierdimensionale Angelegenheit: Die erste Dimension ist die Hanglage, die zweite die Höhe, die dritte die Bodenbeschaffenheit und die vierte das Mikroklima, das von Parzelle zu Parzelle variiert.
Und ebenso vierdimensional sind die Strassen. Das Südtirol ist kein eindimensionales Tal, sondern eine Region der Pässe – mit Kurven und Höhenmetern, die das Fahren spannend machen. Von der Kleinmetropole Bozen zur zweiten, Meran, nimmt man entweder für 30 Minuten die Autobahn. Oder man biegt kurz hinter Bozen auf die SS42 Richtung Mendelpass ab und folgt von dort der SS238 zum Gampenpass (Passo delle Palade) – die deutlich spannendere Variante.
In eineinhalb Stunden schlängelt man sich über drei Pässe, durch Wälder und Dörfer, die wirken, als sei der Fortschritt seit hundert Jahren nie an ihnen vorbeigekommen. Der Mendelpass ist das schönste Stück: auf der einen Seite die Dolomiten in der Ferne, auf der anderen die Weinberge Südtirols. Die Strasse selbst ist top – kurvenreich, gepflegt, wenig Verkehr. Genau so stellt man sich Roadtrip-Romantik vor. Überholt werden wir nur einmal, von einem Pulk Porsches mit fünfmal mehr PS. Was uns zur vierten Dimension dieses Roadtrips bringt: der Zeit. Wer geniesst mehr – die Porsche-Fahrer mit dem Gasfuss am Boden oder wir, die langsamer fahren und dafür länger die Aromen des Landes kosten?
Bewährtes bewahren
Der Tonale lädt zur besinnlichen Sonntagsausfahrt ein, wie sie unsere Eltern und Grosseltern noch regelmässig unternahmen. In Tramin an der Weinstrasse steht der markante Kellerturm des Weinguts J. Hofstätter; Martin Foradori-Hofstätter übernahm das Gut von seinen Eltern und leitete eine Modernisierung ein. Den mehrdimensionalen Weinbau begann man hier schon Jahrzehnte zuvor, als die Trauben erstmals nicht mehr gemeinsam, sondern getrennt nach Herkunft vinifiziert wurden – so blieb der Charakter jeder Sorte erhalten. Fortschritt unter Bewahrung der Identität, das ist eine Stärke Südtirols. Genau so schlägt der Tonale den Bogen: Nach dem sportlichen Duo Giulia und Stelvio – Letzterer benannt nach dem Stilfserjoch – verleiht Alfa Romeo seinem Portfolio eine neue Dimension, ohne die Grundwerte der Marke zu verraten: die Verbindung von Ästhetik und Fahrdynamik. (Skyalps fliegt zweimal wöchentlich, freitags und sonntags, von Zürich nach Bozen und zurück; den Tonale gibt es ab 41 900 Franken.)

Vier Reisetipps fürs Südtirol
Der Genuss-Macher: Seit Jahren führt Martin Foradori-Hofstätter das Weingut J. Hofstätter im Südtirol; der mehrdimensionale Weinbau bringt Tropfen mit unverkennbarem Charakter hervor. hofstaetter.it
Vom Feld direkt auf den Teller: Im Restaurant Kirchhof der Familie Nussbaumer in Aldein kommen nachhaltige, regionale Zutaten auf den Tisch – etwa ein rohes Rindstatar mit Heu aus dem Passeiertal. kirchhof.bz
Spektakuläre Architektur: Das von Zaha Hadid entworfene Messner Mountain Museum Corones auf dem Kronplatz ist ein Highlight – eine Kraftquelle, die spektakulär in den Gipfel gebaut ist. messner-mountain-museum.it
Pool with a view: Wer das Südtirol in stilvoller Atmosphäre geniessen will, ist im Gloriette Guesthouse in Oberbozen richtig – samt Infinity-Pool über den Dächern und perfekt für alle, die die Region abseits ausgetretener Pfade entdecken wollen. gloriette-guesthouse.com
Dieser Artikel erschien im November 2022 in der Ausgabe MEN 2/22.


