Bruno Eltschinger

Beim Afternoon Tea im prunkvollen Ambiente des Le Hall lässt Bruno Eltschinger seine Erinnerungen aufleben: «Hier hatte ich 1969 meinen ersten Job als Kassier und Kontrolleur», erzählt er. Er hatte gerade seine Ausbildung als Koch abgeschlossen und in Schottland ein Hotelpraktikum absolviert. Und er wusste: Wer hier in diesem Zürcher Palace gearbeitet hat, dem steht die Welt offen.

Bis zum grossen Ruhm sollte es allerdings noch etwas dauern. In den Zürcher Hotels Atlantis und Ambassador verdiente er sich die Sporen ab, danach übernahm er für fünf Jahre die Verantwortung im elterlichen Betrieb, dem Ausflugsrestaurant Buchsegg. Eltschingers Vision war ein Ort, an dem echte Gastfreundschaft herrscht. Diese verwirklichte er 1991 mit seinem Restaurant Sonnenberg in Thalwil ZH. Später übernahm er als Pächter die Zürcher Quartierbeiz Wilder Mann mit Kegelbahn, Veranda und Efeu-Gärtli.

Daneben war Bruno Eltschinger diplomierter Maître d’hôtel, gründete eine Sommelier-Vereinigung und einen Klub für ältere Stammgäste, die Gesellschaft suchten und nicht allein sein wollten – mit Theaterbesuchen, Ausflügen und gemütlichen Essen. Doch eines Tages beschloss er, alles hinzuwerfen: zu viel Stress, immerzu. Ein Artikel gab ihm zu denken. «Seither folge ich meinem Herzen und tue nur noch, was mir guttut.» Bis zur Pensionierung arbeitete er als Gastrojournalist und Präsident der Sommelier-Vereinigung. Auch sein Engagement für die Free Evergreens, wie der Freizeitklub heute heisst, hielt ihn auf Trab. Seine grösste Leidenschaft aber blieb das Reisen.

Die Wende kam 2019 im berühmten Caffè Florian am Markusplatz in Venedig. Sein Lebenspartner filmte ihn dabei, wie er eine heisse Schokolade genoss und auf Züritüütsch den strahlend blauen Himmel und den Dom im Hintergrund präsentierte. Das kleine Video landete auf TikTok – und siehe da: In kürzester Zeit folgten ihm Tausende. Ein Influencer im Rekordtempo war geboren. Seither teilt Bruno Eltschinger seine Lebensfreude mit der ganzen Welt: auf dem Kamel in Abu Dhabi, am Strand von Bora Bora oder bei den Pinguinen in der Antarktis – egal wo er ist, seine Fans sind dabei.

Mit zwei erhobenen Daumen wurde «Bruno us de Schwiiz» zur Kultfigur. Über 150 000 Menschen schauten ihm zu, wie er auf dem Stoos eine Fondue ass; mehr als 400 000 erhielten seine Weihnachtsgrüsse aus der Wüste. Bruno Eltschinger versteht sich als Influencer ganz ohne Allüren. Und er widerlegt mit Charme das Vorurteil, ältere Menschen seien immer griesgrämig.

Dieser Artikel erschien im Mai 2024 in der Ausgabe MEN 1/24.

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