
Ich werde verfolgt, bedrängt, gequält – seit Jahren. Kaum habe ich den Computer hochgefahren, prangt auf der Startseite ein Banner: ein älterer Herr mit glänzenden Äuglein, der mir verkündet, dass 2022 dank grosszügiger Versicherungen «Hörgeräte fast nichts kosten». Eine «Hörgeräte-Revolution» sei das. Welch ein Freudentag.
Hörgeräte. Es hört einfach nicht auf. Wie ich zur bevorzugten Zielscheibe der Hörgerätehersteller geworden bin, ist mir ein Rätsel. Klar, jeder Mausklick hinterlässt Spuren in der digitalen Welt. Aber warum gerade ich? Weil ich ins Kundenalter passe? Oder weil ich am Computer die Lautstärke aufgedreht habe?
Dabei höre ich seit Kindsbeinen gut – auch wenn ein HNO-Arzt bei mir einst aussergewöhnlich enge Gehörgänge entdeckte, ein bisschen wie bei Tauchern. Trotzdem werde ich offenbar für schwerhörig gehalten. Wahrscheinlich, weil ich nicht alles verstehe, was in der Welt vor sich geht. Und das wird zusehends schlimmer.
Gäbe es ein Hörgerät mit der Zusatzfunktion «Verstehen» – ich wäre der Erste, der zugreift.
Dieser Artikel erschien im November 2022 in der Ausgabe MEN 2/22.


