
Wieso ein Mann nicht selber kocht, kann viele Gründe haben: Er hats nie gelernt (weil zu alt). Es hat ihn nie interessiert (weil andere für ihn kochen). Oder es ist ihm egal (weil er eh nicht gerne gut isst). Im letzteren Fall ist er dankbares Opfer der Fastfood- und Convenience-Kultur, die aus dieser Mannesschwäche ein Milliardenbusiness gemacht haben.
Was aber, wenn zu Hause der Hunger kommt und der Kühlschrank leer ist? Die Restaurants schon geschlossen, einem Fastfood zum Halse raushängt und gerade weder Mamma noch ehemalige Geliebte als Störköchinnen erreichbar sind? Das könnte der Moment sein, an dem Mann es endlich einmal selber probieren sollte. Und dabei erstaunliche Entdeckungen macht: Es geht! Es ist nicht kompliziert! Es schmeckt hervorragend! Und ihr seid sowas von stolz darauf!
Damit das klappt, fangen wir mit etwas Einfachem an: Pasta. Lieben wir alle, ist einfach zu machen und braucht weder viele Küchengeräte noch frische Sachen aus dem Kühlschrank. Alle hier vorgestellten Rezepte lassen sich aus Zutaten machen, die monatelang auf ihren Einsatz warten können. Bequemer gehts nicht.
Die einzige Herausforderung: Ihr müsst lernen, Pasta richtig zu kochen. Auch wenn man es kaum glaubt – die meisten Menschen in der Schweiz wissen nicht, wie das geht! Denn sonst würden wir ja so gut essen wie die Italiener. Tun wir aber leider nicht, was wir nach jeder Italien-Reise bestätigen können. Daher zum Start das kleine 1×1 des Pastakochens.
Das kleine 1×1 des Pastakochens
1. Die Pasta. Wir unterscheiden zwischen Pasta aus Hartweizen («pasta secca», trockene Nudeln) und solcher mit Ei («pasta fresca», frische Nudeln). Pasta fresca schmeckt frisch am besten, muss gekühlt und schnell verbraucht werden – für Anfänger weniger geeignet. Wir konzentrieren uns auf Pasta secca: Die hält ewig (vergesst das Datum auf der Packung). Hände weg von Industrieware! Faustregel: Je kleiner die Manufaktur, desto grösser die Chance auf Qualität. Und: je heller die Pasta, desto besser. Spitzenpasta ist fast weiss.
2. Der Topf, das Salz und das Wasser. Die Grundformel lautet 1:10:100 – also 1 Liter Wasser mit 10 Gramm Salz für 100 Gramm Pasta. Wasser zum Kochen bringen und erst dann die Pasta hineingeben. Und: Olivenöl gehört nicht ins Wasser! Es schwimmt nur an der Oberfläche und bringt gar nichts. Wichtig hingegen: vor allem in den ersten Minuten die Pasta immer wieder umrühren, dann klebt sie nicht zusammen.

3. Die Reihenfolge. Grundregel: Bereite die Sauce vor, bevor die Pasta ins Wasser kommt. Bei einigen Rezepten geht beides gleichzeitig – nämlich bei den hier vorgestellten.
4. Abgiessen verboten! Das Pastawasser ist kulinarisches Gold: Es enthält Stärke, die jede Sauce bindet und cremiger macht. Darum wird Pasta niemals abgegossen, sondern mit dem Schöpflöffel in die Saucenpfanne gehoben. Dort lernen sich Sauce und Pasta endlich kennen. Es ist wie in der Liebe: Das braucht Zeit. Geben wir sie unserem Gericht.
5. Die Zeit. Das grosse Geheimnis hinter der perfekten Pasta! Nimm die Pasta zwei, drei Minuten vor der angegebenen Kochzeit aus dem Wasser und vermische sie mit der Sauce. Ist das Ganze zu trocken, gib ruhig etwas Pastawasser dazu. Ist es zu flüssig, erhöhe einfach die Hitze.
6. Schwenken, schwenken, schwenken. Der römische Spitzenkoch Max Mariola nennt es «il suono del amore» – den Klang der Liebe: jenen Moment, in dem ihr Pasta und Sauce in der Pfanne zusammenschwenkt. Als Anfänger reicht dazu ein Kochlöffel; mit etwas Übung gelingt das kunstvolle Schwenken mit der Pfanne, sodass die Pasta elegant durch die Luft fliegt. Das klingt wirklich wie Liebe – und führt vor allem dazu, dass sich alles perfekt vermischt.
7. Das Tischtuch. Okay, das hat mit dem Kochen nicht direkt zu tun. Aber wer wirklich geniessen will, leistet sich Tischtuch und Serviette aus Stoff. Was im Restaurant für edle Ambiance sorgt, funktioniert auch zu Hause. Selbst wenn man allein isst: Das Tischtuch ist ein Gamechanger. Garantiert.
Spaghetti alla puttanesca
«Puttanesca» heisst übersetzt «Prostituierte». Eine Legende: Italienische Bordelle der 1950er-Jahre waren «case chiuse» (geschlossene Häuser), deren Bewohnerinnen nur einmal pro Woche zum Einkaufen durften. Das Gericht soll aus den haltbaren Resten der Speisekammer entstanden sein, wenn die Vorräte zur Neige gingen. Diese Zutaten brauchen also keinen Kühlschrank.

Für 2 Personen: 250 g Spaghetti · 1 Büchse Sardellen · 1 Knoblauch, in feine Scheiben geschnitten · eine Handvoll schwarze, entsteinte Oliven, gehälftet · Peperoncino (frisch, getrocknet oder als Salsa) · 1 Büchse Pelati · eine Handvoll Kapern · Salz · gehackte glatte Petersilie (sofern vorhanden).
Zubereitung: 1. Ein Glas Wein in den Koch giessen. 2. Zwei Liter Wasser zum Kochen bringen, salzen. 3. In einer Pfanne die Sardellen in Olivenöl bei kleiner Hitze anschwitzen, bis sie zerfallen. 4. Knoblauch, Oliven und Peperoncino andünsten. 5. Pelati mit der Hand zerdrücken und mit den Kapern dazugeben. 6. Die Sauce auf kleinem Feuer sämig werden lassen. 7. Spaghetti ins Wasser gleiten lassen. Kurz bevor sie al dente sind, mit der Sauce vermischen und zwei Minuten vermählen lassen, bei Bedarf etwas Kochwasser dazu. Wer hat, mischt am Schluss Petersilie unter.
Pasta con tonno
Nicht nur für Fischliebhaber: schnell, einfach, köstlich, erfrischend.
Für 2 Personen: 250 g Pasta nach Belieben · 1 Thunfisch-Dose à ca. 160 g (besser ohne Öl) · Saft einer halben Bio-Zitrone · 1 Knoblauchzehe · getrockneter Peperoncino · wer hat: glatte Petersilie.
Zubereitung: 1. Zwei Liter Wasser zum Kochen bringen, salzen, Pasta hinein. 2. Thunfisch abtropfen, in eine Pfanne geben und mit dem Kochlöffel zerzupfen. Zitronensaft dazu, bei kleiner Hitze fünf Minuten mit der Knoblauchzehe köcheln lassen (wer hat, gibt einen Petersilienstängel und einen Schuss Weisswein dazu). 3. Knoblauch und Petersilienstängel entfernen. 4. Pasta drei Minuten vor al dente in die Pfanne geben. 5. Hitze hochschalten, durchschwenken und immer wieder etwas Pastawasser zugeben, bis eine sämige Sauce entsteht. 6. Zum Schluss Peperoncino und etwas geriebene Zitronenschale dazu, Petersilie darüberstreuen.
Dieser Artikel erschien im November 2023 in der Ausgabe MEN 2/23.


