
In einem versteckten Raum irgendwo in New York City klopfte 1984 die Crème de la Crème der Wohlhabenden an die Türen von American Express – und das ohne eine einzige Werbung. Die Besucher wollten nur eine: eine Black Card. Es war die unsichtbare Legende, das schwarze Einhorn der Finanzwelt: eine Kreditkarte so exklusiv, dass sie kaum jemand zu Gesicht bekam und noch weniger darüber sprach. Das sagenumwobene Plastikstück bot eine Sammlung an Vorzügen, die man sonst nur aus James-Bond-Filmen kennt: private Limousinen, Helikopter für den Einkaufsbummel und handverlesene Luxusurlaube. Gerüchteweise wurde sie nur an rund 1000 handverlesene Kunden vergeben – mit jahrzehntelanger Loyalität und beachtlichem Jahresumsatz. Doch bald verschwand die Karte wieder von der Bildfläche.
Das Comeback
Doch die Legende kehrte zurück: Überarbeitet und 1999 neu lanciert, betrat die Centurion Card das Spielfeld der Superreichen. Auch sie gibt es nur auf Einladung – nur wer bereit ist, mindestens 250 000 Dollar pro Jahr über seine American-Express-Karten zu bewegen, kommt in die exklusive Centurion-Community. Und das bedeutet Zugang zu den besten Annehmlichkeiten der Welt: Die Inhaber erhalten einen persönlichen Concierge-Service rund um die Uhr. Ob Tickets für den Wimbledon-Final, ein Tisch in einem ausgebuchten Sternerestaurant in Tokio oder ein privates Konzert in einer Villa am Comer See – mit der Centurion ist fast alles möglich.
Die Karte ist auch ideal zum Reisen: kostenlose Upgrades in die First Class, Zugang zu über 1300 Airport-Lounges weltweit und bevorzugte Behandlung am Flughafen. Ach ja – bezahlen kann man mit ihr natürlich auch. Der chinesische Sammler Liu Yiqian beglich damit 2015 ein Modigliani-Gemälde für rund 170 Millionen Dollar – einer der höchsten je mit einer Kreditkarte bezahlten Beträge.
Dieser Artikel erschien im November 2024 in der Ausgabe MEN 2/24.


